Smartphone-Happy End hoch 2 im Périgord
Kehre 7 – und kein Handy mehr
Kennt ihr das Geräusch von purem Herzschmerz? Bei mir klingt es wie ein Smartphone, das vom Autodach auf französischen Asphalt trifft. Doch der Reihe nach.
Anfang Oktober, erster Tag unserer Oldtimerreise durch das Périgord. Die Sonne lacht, die Motoren schnurren, die Stimmung könnte kaum besser sein. Unsere erste Pause machen wir in Les Eyzies-de-Tayac – Welthauptstadt der Vorgeschichte und für mich an diesem Morgen: Schauplatz meiner persönlichsten Katastrophe. Der Ort ist wunderschön, eingebettet ins Tal der Vézère, umgeben von steilen Kalksteinfelsen voller prähistorischer Höhlen. Wäre ich nicht gleich so abgelenkt gewesen, hätte ich vielleicht sogar eine davon bemerkt.



Vor der Weiterfahrt beantworte ich noch schnell eine Frage zur Route. Dabei lege ich das Handy aufs Autodach, vergesse es dort, steige ein und fahre los. Kurze Zeit später höre ich ein kurzes Poltern. „Ein Stein im Radhaus“, denke ich und fahre munter weiter. Kein Stein. Mein Handy hatte gerade seinen Soloauftritt auf dem Asphalt einer französischen Landstraße hingelegt – ohne Netz und ohne Boden.
Spätestens jetzt wird es in den meisten Geschichten furchtbar, denn heute ist unser ganzes Leben in diesem kleinen Gerät: Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Apps ohne Ende, tausende Fotos und kurze Videos und noch viel mehr. Solch ein Verlust tut echt weh.

Montignac, Restaurant Le 4 – und ein freundlicher Niederländer
Dann erreichen wir das Restaurant „Le 4″ am Ortseingang von Montignac. Ich steige aus, freue mich auf ein gutes Mittagessen und suche mein Handy. Alle Taschen in Hosen, Hemd und Jacke – nichts. Ich stelle den Innenraum meines Renault Alpine A310 auf den Kopf. Wieder nichts. Jetzt bricht die Panik aus. Wo ist dieses Scheiß-Handy?
Ich bitte meinen Freund und Porsche-Fahrer Andreas, mich einfach mal anzurufen. Vielleicht klingelt’s ja irgendwo. Es klingelt – aber nicht hier, sondern irgendwo in der Nähe unserer Morgenpause. Ein freundlicher Niederländer ist am Apparat. Er erklärt Andreas ruhig, er habe gesehen, wie das Handy in einer Kurve vom Autodach gefallen sei. Er hat es aufgehoben und auf einen Anruf gewartet. Das gibt’s doch gar nicht. Ab morgen spiele ich Lotto!
Der niederländische Wundertäter beschreibt Andreas den Weg – irgendwo links ab, Campingplatz, dann in die schöne Walachei des Périgord. Freundlich winkend, natürlich mit meinem Handy in der Hand, erwartet er uns dort bereits. Einen Finderlohn lehnt er kategorisch ab. Aber ein kleines Trinkgeld für seine Enkel – das kann er dann doch nicht ablehnen.

Eine knappe halbe Stunde später sitzen wir wieder im Restaurant. Die ganze Gruppe hat mit dem Essen auf uns gewartet. Das Hallo für mein unfassbares Glück war groß, das Gelächter noch größer. Handy-Happy-End Nummer eins – aber das Périgord hatte für uns noch eine zweite Runde in petto.

Was im Motorraum unseres Ford Ranger schlummerte
Unser Abschleppanhänger brauchte einen neuen Reservereifen – auf der Hinfahrt, kurz vor unserem Hotel Laborderie, hatte es einen Platten gegeben. Am fahrfreien Tag unserer Tour machten sich meine Begleiter Beate und Wolfgang auf nach Sarlat, um Ersatz zu besorgen. Reifenhändler gefunden, Reifen auf Lager, Problem gelöst. Beinahe zu einfach für diesen Trip.
Dann noch kurz zur Ford-Werkstatt: Ein komisches Geräusch am Turbolader beim Beschleunigen wollte überprüft werden. Diagnose: nichts Gravierendes. Laub im Luftfiltergehäuse. Frohgemut kehren die beiden zurück ins Hotel.
Wolfgang öffnet die Motorhaube des Rangers und erklärt mir alles am laufenden Objekt. Ich nicke, höre zu – und dann sehe ich es. Da, in einer Ecke des Motorraums, hat sich ein Smartphone verkrochen. Klein, schwarz, verloren. Und gottlob eingeklemmt, sodass es die Rückfahrt überlebt hat. Meins ist es diesmal nicht – Beate und Wolfgang haben ihre Geräte griffbereit. „Das ist wahrscheinlich vom Werkstattmenschen!“, vermutet Wolfgang, und ehe ich noch etwas sagen kann, sitzen die beiden schon wieder im Auto.

Zurück in Sarlat, zurück zur Ford-Werkstatt. Dort hat die Panik den Chef längst erfasst. Er sucht verzweifelt sein Handy – und dann betritt Wolfgang die Werkstatt, hält das vermisste Stück in die Höhe wie eine Trophäe. Der Blick des Franzosen in diesem Moment? Ungläubiges Staunen, gefolgt von erinem echt erleichtertem Lachen. Ja, auch das kenne ich aus eigener Erfahrung – nur zu gut.
Das Périgord und seine stille Wiederfinde-Kraft
Zwei Handys, zwei Katastrophen, zwei Happy Ends. Was ich daraus mitgenommen habe? Erstens: Handys gehören nie aufs Autodach. Zweitens: Wer im Périgord in Not gerät, ist in guten Händen – ob bei einem freundlichen Niederländer auf einer Landstraße oder einem aufmerksamen Werkstattmenschen in Sarlat. Die Menschen hier reparieren nicht nur Autos. Manchmal reparieren sie auch deinen Tag.
Praktischer Tipp: Plant bei Oldtimertouren durch das Périgord Noir immer einen freien Tag ein. Nicht nur für Pannen und Reifenprobleme – sondern auch für Lascaux 2, die Höhlen von Les Eyzies und die Märkte von Sarlat. Das Tal der Vézère hat mehr zu bieten, als eine einzige Durchfahrt würdigen kann.

Mittagspause: Restaurant Le 4, Lieu dit, 24290 Montignac – ab 12:30 Uhr empfehlenswert, auch wenn ihr eine halbe Stunde zu spät kommt. Die Gruppe wartet.
Lascaux 2: Lieu-dit Lascaux, 24290 Montignac – Besichtigung ab 15:00 Uhr möglich.
