Eine kleine Oldtimer-Alltags-Anekdote
Kennt ihr das? Der gute Oldie hatte HU- und Servicetermin in der Werkstatt eures Vertrauens. Alles läuft gut. Im Service nichts Auffälliges und der Prüfer hatte auch nichts zu meckern. Die neue Plakette erhalten mit dem besten Kommentar „ohne Mängel“. Oldtimerherz, was willst du mehr.
So geschehen vor ein paar Tagen in meiner Leib- und Magenwerkstatt von André Förster mit meinem 89er Volvo 240. Rückblick: Ich habe die als unzerstörbar geltende rote Schweden-Limousine im Ausland gekauft und dachte, es wäre ein guter Kauf. Aber Standschäden über Standschäden und dann, wenn wir dachten, so jetzt haben die Karre flott, tauchte ein neuer Fehler auf. Und immer wieder sporadische Fehler in der Elektrik wie Komplettausfall des Armaturenbretts und der Kontrollleuchten. Nicht immer, aber mindestens einmal von 10 Mal. Kurz, Sebastian und André – meine Fachmänner in der Werkstatt – waren kurz davor, den Volvo zu verwünschen. Da hatte André die rettende Idee – Übeltäter kann nur noch die Kontaktplatte hinten am Zündschloss sein. Okay, nochmal bei Skandix (die haben nahezu alles für klassische Volvos – dicke Empfehlung!) nachgeschaut, bestellt, eingebaut – und was soll ich euch sagen, jetzt ist der alte Schwede alltagstauglich.

Zurück zum aktuellen HU-Termin. Alles paletti. Ich hole den Volvo, starte und bin erstaunt, wie hoch die Leerlaufdrehzahl ist. Der Drehzahlmesser, ein gebrauchtes Zubehörteil problemlos bei den TV-bekannten Schrottplatzbrüdern Ludolf bei Ebay gekauft, schnellte mindestens auf 2.100 Touren hoch und ging partout nicht runter im Leerlauf. Scheiße, der Leerlaufsteller ist doch vor zwei Jahren auch neu gekommen, und jetzt schon wieder kaputt?
Also fragte ich Meister André, was wir jetzt machen – Skandix oder? „Warte mal, Udo“, blieb André ganz locker, obwohl ihn das Phänomen schon wurmte. Das war nicht zu übersehen. „Der Volvo ist bei uns absolut problemlos gelaufen, und auch lange“, wunderte er sich. Sebastian nickte zustimmend. „Klemm die Batterie mal ab, warte zwei Minuten, schließ sie wieder an. Dann schau mal, was der Leerlauf macht“, riet mir der Mann, der täglich jede Menge automotive Probleme im Sinne seiner Kunden lösen muss.

Mit dem 13er Schlüssel löste ich den Minuspol an der Batterie des 240er, ließ den Timer vorsichtshalber drei Minuten runter laufen und zog den Minuspol wieder fest. Einsteigen, Schlüssel ins Zündschloss, drehen und starten. Gespannt war ich wie der viel zitierte Flitzebogen, was der Leerlaufsteller nun macht. Ich sah und hörte es, war aber zu skeptisch, um zu glauben, was geschah. Alles war wieder so, wie es sein sollte: Leerlaufdrehzahl nach kurzer Warmlaufphase bei ca. 1.000 Umdrehungen. In diesen Momenten ertappe ich mich dabei, an Wunder zu glauben. Und die Moral von der Geschicht. Such dir einen André deines Vertrauens und höre auf ihn. Dann können auch Wunder, vielleicht auch nur kleine, geschehen. Ich wünsche euch allen einen Profi wie meinen André.

