Mein wahrscheinlich letztes Oldtimer-Treffen in diesem Jahr

Wer interpretiert folgende Entwicklungen richtig? Erstens: In den Supermärkten machen sich auf den Sonderflächen Weihnachtsgebäck und Adventskalender breit. Zweitens: Das Quecksilber im Thermometer klettert kaum noch über 10 Grad. Drittens: Die Umstellung auf Winterzeit droht. Und viertens: Der Hochnebel hält erfolgreich die Sonne davon ab, zu scheinen. Richtig, die Oldtimer-Saison neigt sich dramatisch ihrem Ende entgegen. Höchste Zeit also, noch ein Treffen zu besuchen.

Der recht junge Oldtimer Club Stolberg (gegründet 2020) veranstaltet jeden dritten Sonntag im Monat von 10 bis 14 Uhr ein zwangloses Treffen auf dem Parkplatz des Netto-Marktes im Stadtteil Gressenich. Wundert euch also nicht, wenn es sonntags zahlreiche Oldtimerfreunde aus dem Aachener Dreiländereck magisch zum Discounter zieht – auch ohne verkaufsoffenen Sonntag.

Vom Botschaftsbüro in Stockholm nach Gressenich

So auch heute. Fährtenhündin Vroni und ich haben vorsichtshalber schon gestern den alten Schweden auf Vordermann gebracht. Mein Volvo 240 GL, Baujahr 1989, hat ein Vorleben, das jedem Spionagethriller gut zu Gesicht stünde: Er begann seine Karriere als Diplomatenfahrzeug der amerikanischen Botschaft in Stockholm. Ob er dabei Staatsgeheimnisse chauffiert hat, verrät er nicht. Danach stand er jahrelang in einer niederländischen Sammlung, bis er vor drei Jahren bei mir landete.

Vroni macht es sich im ‚Schweden-Panzer‘ gemütlich.

Es folgten umfangreiche Reparaturen und Elektrikprobleme, die Andre Förster und mich fast in den Wahnsinn trieben. Heute ist er absolut alltagstauglich – Volvo halt. Nach gut 4.000 Kilometern durch Südtirol im Mai hatte er reichlich Zeit zu regenerieren. Ohne Mucken erwacht er zum Leben und bringt Podenca Vroni und mich bei herbstlich frischen Temperaturen unter einem Hochnebelhimmel über der Voreifel, der als Pate von „Fifty Shades of Grey“ durchgehen könnte, zum Parkplatz unserer Wünsche.

Oben ohne bei 10 Grad

Im Gegensatz zu den Sommermonaten haben wir gegen 10.30 Uhr noch die Qual der Wahl bei der Stellplatzsuche. Gut 30 Klassiker bevölkern schon das Gelände. Ihr kennt die Geschichte von Markus und Christine Wieser, die strikt das Motto befolgen: Ab 12 Grad wird offen gefahren. Die Cabriofahrer des heutigen Treffens sind aus noch ganz anderem Holz geschnitzt. Mehrere kommen „oben ohne“ und lassen das Verdeck nicht einmal zeitweise zu. Bei gefühlt ganz knapp 10 Grad und spürbarer Luftfeuchtigkeit ziehe ich hochachtungsvoll den Hut. Vroni und ich bevorzugen die behagliche Heizungswärme in unserem „Schweden-Panzer“ – aber die Sitzheizung blieb aus!

Von Tante Käthe bis zum Ducati-Scrambler

In der nächsten Stunde füllt sich der Platz. Bald stehen mehr als 50 Klassiker da, eine gute Mischung aus Young- und Oldtimern. Da ist ein Toyota Celica Cabrio, dazu eine stark individualisierte Mazda-MX-5-Fraktion. Ein MG Roadster aus den 1950er Jahren trägt den Namen „Tante Käthe“, vom Besitzer liebevoll vergeben. Außerdem sehe ich eine starke und schicke Opel-Population, ein seltenes Peugeot 404 Cabrio und einen Renault R8 Gordini. Nicht zu vergessen die Handvoll unerschrockener Motorradfahrer mit italienischem Material von Ducati und Moto Guzzi.

Gestatten: Käthe, Tante Käthe.

Haubentauchen beim Rallye-Saab

Bei hochgezogenen Winterjackenkrägen und heiß dampfendem Kaffee aus dem To-go-Becher der – Gott sei Dank – geöffneten Bäckerei vor Ort frönen wir dem allseits beliebten Hobby des „Haubentauchens“. Der unbestrittene Mittelpunkt des Interesses ist ein Saab 96 in Hellblau mit gelben Längsstreifen, den schwedischen Farben. Er ist ein historisches Rallyefahrzeug.

Kaum ist die Haube offen, bildet sich eine Traube. Zwei Männer stecken die Köpfe so tief in den Motorraum, dass man fast um ihre Mützen fürchtet: einer mit rotem Beanie, einer mit Stirnband. Ein dritter erklärt mit ausladender Handbewegung, was es zu erklären gibt. Die anderen nicken, schütteln den Kopf und nicken wieder. Auf einer Jacke prangt ein „1000 Miglia“-Aufnäher, das erspart manche Frage nach dem Fachverstand.

Zu sehen gibt es genug: zwei Vergaser mit Sportluftfiltern, blaue Zündspulen und im Cockpit zwei Stoppuhren, Riffelblech auf dem Boden und blaue Pedale. Dazu ein Lenkrad mit gelber Markierung auf zwölf Uhr, damit man die Mittelstellung auch im Eifer des Gefechts findet. Und dann die Sitze, in schlichtem Cordsamt: Rallye-Technik trifft Sofa-Gemütlichkeit.

Rallye-Technik trifft Cordsamt: das Cockpit des Saab 96.

Heimweg im Grau

Zufrieden, wenn auch ein wenig durchgekühlt, treten Vroni und ich den Heimweg an. Mit einer kleinen Runde durch den herbstlichen Laubwald der Eifel. Doch bei bleiernem Hochnebel hat auch das farbenprächtigste Laub keine Chance, seinen Zauber zu entfalten. Okay, ab nach Hause, Fotos nachbearbeiten und den Blogbeitrag schreiben. So, Petrus, das hast du nun davon.

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