Hilf dir selbst, dann hilft dir dein Oldtimer: Die Pannen-Checkliste für die Ausfahrt
Kommt euch das auch bekannt vor? Die Sonne scheint, die Route ist geplant, die Thermoskanne ist gefüllt. Und dann, mitten im Nirgendwo, hustet der Motor noch einmal kurz, als wolle er sich höflich verabschieden. Stille. Nur die Grillen zirpen, und auf einmal fühlt sich die nächste Werkstatt weiter weg an als der Mond.
Wir alle wissen: Ein Oldtimer hat kein Problem, er hat Charakter. Aber auch der beste Charakter will mal getröstet werden. Deshalb habe ich für euch einmal zusammengestellt, was bei mir vor jeder Ausfahrt geprüft wird und was im Kofferraum mitfährt. Vieles davon habe ich auf schönen Touren gelernt, manches aber auch auf die harte Tour.

Vor dem Start: Der Technik-Check
Am besten nehmt ihr euch euren Klassiker einmal in Ruhe von vorn bis hinten vor die Brust, spätestens am Abend vor der Tour und bitte nicht fünf Minuten vor dem Treffpunkt. Hier ist meine Check-Liste, nach Themen sortiert:
Flüssigkeiten und Reifen
- Reifenluftdruck
- Motorölstand
- Getriebeölstand
- Kühlwasserniveau
- Bremsflüssigkeit (Sichtprüfung)
Kühlung und Leitungen
- Kühler und Wasserpumpe (Sichtprüfung)
- Kühlwasserschläuche (Sichtprüfung)
- Kraftstoffleitungen im Motorraum (Sichtprüfung)
- Keilriemen (Sicht- und Spannungsprüfung)
Elektrik und Zündung
- Beleuchtung
- Ladezustand und Füllstand der Batterie
- Elektrische Leitungen und Anschlüsse
- Zündanlage (Kerzen, Unterbrecherkontakt)
Und zum Schluss: der Blick unter das Auto. Legt euch kurz auf den Boden (dazu gleich mehr) und schaut, ob etwas tropft oder die Auspuffaufhängung wackelt. Wer nach der Tour eine Ölspur auf dem Hofpflaster entdeckt, hat nämlich meistens schon vorher etwas übersehen.




Das Werkzeug: Kleiner Koffer, große Wirkung
Ihr müsst keine Werkstatt mitnehmen, aber ohne diese Grundausstattung wird jede Kleinigkeit zur Geduldsprobe:
- Zündkerzenschlüssel
- Schraubendreher-Satz
- Steckschlüsselsatz
- Schraubenschlüssel-Satz, am besten doppelt, damit ihr kontern könnt
- Radmutterschlüssel, gern mit Verlängerung
- Kombizange und Wasserpumpenzange
- Spitzzange und Gripzange
- Quetschzange für Kabelverbinder
- Hammer
Der Hammer steht übrigens ganz am Ende der Liste. Das ist kein Zufall. Er ist das Werkzeug der letzten Instanz, und ich habe gelernt: Wenn er zum Einsatz kommt, ist vorher etwas ganz schiefgelaufen. Meistens ging dann vorher schon mehr schief als nur die Reparatur.
Nützliches Zubehör: Für den Fall der Fälle
Diese Dinge hoffe ich, nie zu benutzen, und genau deshalb fahren sie mit:
- Abschleppseil
- Feuerlöscher, der teuerste Gegenstand im Auto, den man am liebsten nie braucht
- Stabiler Wagenheber plus klappbarer Unterstellbock, denn unter einem Auto, das nur auf dem Wagenheber steht, hat niemand etwas zu suchen
- Matte oder Decke für Arbeiten unter dem Wagen
- Handlampe
- Rostlöser und Kontaktspray
Der Pannenhelfer: Die Ersatzteil-Tasche
Jetzt wird es richtig oldtimerig. Diese Teile sind klein, leicht und kosten zusammen weniger als ein ordentliches Abendessen. Eine Panne wird durch sie oft zur Pause mit Aussicht:
- Verteilerkappe und Verteilerfinger (bzw. -läufer)
- Unterbrecherkontakt und Kondensator
- Kerzenstecker, Zündkabel und ein Satz Zündkerzen
- Glühlampenbox, dazu passende Sicherungen und Ersatzrelais
- Schleifkohlen für die Lichtmaschine
- Keilriemen
- Schlauchschellen in verschiedenen Größen
- Kabel und Kabelbinder
- Stahlseil für Gaszug und Kupplung, zum Beispiel Universalseile mit Schraubnippel
- Schmierfett und Motoröl-Reserve
- Dazu: 1 Liter Wasser, Starthilfekabel oder Powerbooster, Reserverad, Taschenlampe und die Telefonnummer eurer Werkstatt
Die Werkstatt-Nummer am besten nicht nur im Handy speichern. Ein leerer Akku hat ein untrügliches Gespür für den ungünstigsten Moment.







Meine drei Lieblings-Retter: Grau, Draht und Dose
Wenn ich nur drei Dinge nennen dürfte, die sich schon mehrfach bewährt haben, wären es diese:
1. Graues Klebeband (Panzerband)
Ihr bekommt es in jedem Baumarkt, und es hält so gut wie alles zusammen. Selbst Risse in Kühlwasserschläuchen von bis zu etwa 10 cm lassen sich damit im sogenannten Kreuzverbund flicken. Das Band ist aber eine Notlösung, kein Dauerzustand. Auf lange Sicht gehört der Schlauch in der Werkstatt ausgetauscht.
2. Blumendraht (Rödeldraht)
Er ist weich, billig und unglaublich vielseitig. Doppelt gebunden und gezwirbelt, kann er im Notfall sogar einen gerissenen Gaszug ersetzen. Mit vorsichtiger Fahrweise kommt ihr damit bis zur nächsten Werkstatt oder nach Hause.
3. Startpilot aus der Sprühdose
Er hilft bei Dampfblasenbildung an heißen Tagen oder im Stau. Ein bis zwei Sekunden vorsichtig in den Ansaugstutzen des Luftfilters sprühen. Zur Not baut ihr den Luftfilter ab und sprüht direkt in den Vergaser. Die Dose muss vor Sonneneinstrahlung geschützt bleiben, und Vorsicht ist ohnehin geboten, denn der Inhalt ist leicht entzündlich.
Habt ihr keinen Startpilot zur Hand, erfüllt Bremsenreiniger den gleichen Zweck. Auch Eisspray hat sich bewährt, um Motor und Vergaser abzukühlen. In der Drogerie oder im Sportshop werdet ihr fündig. Meine Frau Sabine und ich haben damit schon vor über 20 Jahren bei der Deutschen Mille Miglia, den 2.000 Kilometer durch Deutschland, zwei freundlichen Eidgenossen in ihrem Jaguar MK2 aus der Dampfblasen-Patsche geholfen. Danach steuerten die beiden Schweizer jede Drogerie am Rallye-Wegesrand ab und füllten ihren Eisspray-Bestand auf.

Öl und Schlüssel: Die kleinen Dinge, die große Tage retten
1 bis 2 Liter mineralisches Öl gehören immer ins Auto. Für die meisten Oldtimer ist 20W-50 ideal, bei Youngtimern 10W-40. Das Problem: An Tankstellen bekommt ihr es kaum noch. Günstig kaufen könnt ihr es zum Beispiel im Online-Shop von Ravenol oder bei motor-oel-günstig.de.
Der Ersatzschlüssel ist mein dringendster Tipp. Steckt ihn in die Geldbörse. Wenn ihr den Kunststoffknauf entfernt, nimmt er nicht mehr Platz ein als eine Münze. Ein Schlüssel im Zündschloss und der andere auf dem Küchentisch oder im Safe daheim, das ist eine Geschichte, die man später gern erzählt, aber nicht gern erlebt.
Letzte Rettung: Der Landmaschinenhändler
Und jetzt mein Geheimtipp für alle, die abseits der Großstädte unterwegs sind: Was für Trecker gut ist, hilft auch dem Oldtimer. In ländlichen Gebieten haben Landmaschinenhändler oft immer noch Ersatzteile, die zu Klassikern passen, etwa Keilriemen oder Zündkerzen. Wer dort auf den Hof fährt, wird häufig nicht nur bedient, sondern auch mit einem „Das kriegen wir hin!“ empfangen. Genau diese Hilfsbereitschaft macht für mich das Reisen mit alten Autos aus.

Wie zum Beispiel im französischen Perigord. Aus den Lüftungsschlitzen eines Mittelmotor-Ferraris stiegen weißen Rauchzeichen gen Himmel. Das schien nichts Gutes zu bedeuten. Wir hielten an, genau vor der Einfahrt zu einem klassischen französischen Bauernhof. Und was sahen wir dort: Eine Werkstatt für Landmaschinen! Und ein Lamborghini döste in einer schummerigen Ecke der Scheune. Nein, kein Miura, sondern ein Mähdrescher aus dem Hause Lambo. Hier waren wir also richtig. Und zum Glück begleitete uns unser luxemburgischer Freund François, der natürlich perfekt französisch in der Werkstatt parlierte. Und, es war nahezu unglaublich: Der freundliche Landmaschinen-Mechaniker hatte genau den passenden Wasserschlauch im Regal, der gerade im Ferrari-Sportwagen das Zeitliche gesegnet hatte. Unglaublich? Aber wahr!
Zum Schluss: Keine Angst vor der Panne
Ein Oldtimer ohne Panne ist wie ein Stammtisch ohne Geschichten. Wer gut vorbereitet ist, verwandelt aus einem Ärgernis eine Anekdote. So wollte ein Porsche G-Modell am Treffpunkt zu unserer Abreise in die Dolomiten vergangene Woche partout nicht mehr anspringen. Die Ursache war schnell gefunden. Die billige China-Sche… an Batterie-Trennschalter legte mal wieder das ganze Auto lahm. Weil das Minus-Kabel zu kurz war, um den zickigen Trennschalter einfach zu umgehen, entfernte der findige Stephan kurzerhand das elektrisch trennende Plastikteil in der Mitte. Nach dem Zusammenschrauben sprang der Zuffenhausener so schnell und gut an, als hätte es nie ein Malheur gegeben. Meistens steht schon jemand mit einem Schraubenschlüssel neben euch, bevor ihr überhaupt den Warnblinker angeschaltet habt.
Habt ihr weitere Tricks im Kofferraum, die ich vergessen habe? Schreibt sie mir in die Kommentare. Und bis dahin: Gute Fahrt, und Gas geben, wenn’s läuft!
