Zurück am Start – mein Wiedersehen mit den Classic Days
Vom Schlosspark zum Golfplatz: ein Samstag beim Grand Meeting am Rittergut Birkhof. Kennt ihr das? Man hat jahrelang pausiert, und dann steht man plötzlich wieder auf einer sonnenüberfluteten Wiese, neben sich ein guter Freund – zum Glück ohne sein Auto, das sonst für ordentliche Hitzewallungen sorgt. Und man fragt sich: Warum eigentlich erst jetzt wieder? Dazu ein Online-Kassenhäuschen, das mir für den Samstag 47 Euro Eintritt plus 10 Euro Parkgebühr abknöpft. Willkommen zurück bei den Classic Days, Udo.

Von Schloss Dyck nach Korschenbroich – eine Achterbahnfahrt
2008 war ich zum ersten Mal dabei, damals noch an Schloss Dyck in Jüchen. Ich erinnere mich an freie Einfahrt mit dem Oldie, das kommt einem heute wie ein Witz vor – aber gut, damals war auch der Kaffee noch nicht bei über drei Euro der Becher.
Was ich in der Zwischenzeit verpasst habe, ist eine ordentliche Geschichte für sich. 2006 fingen die Classic Days klein an und wuchsen am Wasserschloss über die Jahre zu einer der größten Oldtimerveranstaltungen Deutschlands, mit bis zu 7.000 Fahrzeugen und 40.000 Besuchern an den besten Wochenenden. Vierzehn Ausgaben lang war Schloss Dyck die feste Heimat – eine Gartenparty der historischen automobilen Art, die jedes Jahr größer wurde.
Dann kam, was so vielen Veranstaltungen zwischen 2020 und heute passiert ist: Corona strich zwei Jahre komplett. Ende 2021 zerschlugen sich die Verhandlungen mit der Stiftung Schloss Dyck endgültig – Kosten, Platzansprüche und künftige Umbaupläne im Park machten eine Fortsetzung unmöglich. Es folgte ein zweijähriges Intermezzo in Düsseldorf, das nie so richtig zünden wollte, und 2024 fiel die Veranstaltung ganz aus. Seit 2025 haben die Classic Days nun ein neues Zuhause gefunden: das Rittergut Birkhof in Korschenbroich, seither unter dem klingenden Namen „Grand Meeting“.


Kleiner, aber nicht weniger herzlich
Und ja, man merkt den Unterschied. Die Veranstaltungsfläche ist mit rund 6 Hektar historischem Park deutlich kompakter als die 60 bis 70 Hektar, die Schloss Dyck einst zu bieten hatte – auch wenn das Gesamtgut inklusive Golfanlage auf stolze 84 Hektar kommt. Die Rundstrecke schrumpfte von drei auf 2,6 Kilometer, die erwartete Fahrzeugzahl 2026 liegt bei rund 3.500 statt der einstigen Rekordmarke von 7.000.
Aber Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Auf dem „Festival-Gelände“ am Golfplatz des Birkhofs gab es genug zu sehen und zu bestaunen, dass ich kaum vorankam. Viele Besucher hatten sich zeitgenössisch gekleidet, mit spürbarer Liebe zum Detail. Die Rundstrecke war mit Strohballen und rot-weiß karierten Bannern um die Bäume dekoriert – ein bisschen wie das deutsche Goodwood, nur mit weniger Regen und mehr Sonnenbrand. Und es kamen gefühlt tausende Besucher, die sich die zahlreichen Demoläufe auf dem Rundkurs nicht entgehen lassen wollten, mich eingeschlossen. Mein Video dazu findet ihr hier https://youtu.be/bOchf298Md0
Noch nie habe ich so viele Bentleys aus den 1930er Jahren an einem einzigen Fleck gesehen – eine „Bentley-Boys“-Karawane, die selbst hartgesottene Markenfans ins Schwärmen brachte. Bei der Le Mans Classic von Peter Auto war ich ja noch nicht – aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht sind da noch mehr Vorkriegs-Bentleys am Start?




Marko, sein MG und der Kampf gegen Berge & Sonne
Begleitet hat mich mein guter Oldtimerfreund Marko, treu wie eh und je – diesmal allerdings ohne seine MG B GT V8 im Schlepptau. Von unseren gemeinsamen Touren kenne ich die Hitzewallungen des Wagens nur zu gut: Kaum wird es draußen unangenehm warm und es geht in die Berge, dreht die Temperaturanzeige in den tiefroten Bereich. Vielleicht war genau das der Grund, warum Marko das kleine rote Auto diesmal lieber zuhause ließ. Zwischen den zahlreichen Club-Feldern in der prallen Sonne waren schattige Plätzchen bei den inzwischen deutlich klimaerwärmten Temperaturen trotzdem ein echtes Gut, und wir waren dankbar für jeden Baum, der sich als Pausenstation anbot.








Genau das macht diese Veranstaltung für mich aus: nicht nur die unterschiedlichsten historischen Fahrzeuge, sondern die Menschen, mit denen man sie erlebt. Marko und ich kennen uns seit einigen Jahren, und Tage wie dieser sind der Grund, warum man solche Freundschaften pflegt – auch wenn die Kühlwasserprobleme seines MG über die Jahre mehr Aufmerksamkeit gebraucht haben als unsere Freundschaft.
Gänsehaut im Fahrerlager
Den emotionalen Höhepunkt des Tages bescherte uns die Audi Tradition. Sie hatte den Auto Union Typ 52 mitgebracht, ein 16-Zylinder-Alu-Monster, das leider nie in Serie ging – ein Fahrzeug, das man noch nicht einmal im Museum hinter Glas bewundern kann. Marko und ich standen im Innenhof des Fahrerlagers, als der Wagen gestartet wurde. Gänsehaut pur, und das meine ich wörtlich, nicht als Floskel.

Zwei Räder, viel Sound – und Horst Lichter im Sattel
Auch auf zwei Rädern wurde geboten, was das Herz begehrt: Die Demoläufe der MV-Agusta-Legenden waren schlicht der Hammer. Den akustischen Vogel schoss dabei allerdings ausgerechnet eine 250er Grand Prix-Honda aus den 1960er Jahren ab – manchmal sind es eben die Kleinen, die am lautesten bellen.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte der aus dem Rheinland stammende Horst Lichter, der im Sattel einer alten MV Platz nahm. Ob er sich dabei wie Giacomo Agostini gefühlt hat, weiß ich nicht – glücklich sah er nach den Demoläufen jedenfalls aus.



Fazit: kompakter, aber mit dem gleichen Herz
Am Ende dieses Tages war klar: Die Classic Days sind kleiner geworden, aber nicht weniger liebenswert. Was am Rittergut Birkhof an Hektar und Fahrzeugzahlen fehlt, macht die Location an Atmosphäre und Nähe mehr als wett. Veranstalter Marcus Herfort sprach nach dem Umzug von einer Rückkehr „nach Hause“ – und genau so hat es sich für mich angefühlt, auch wenn das neue Zuhause ein anderes ist als das alte.
Für 2027 kommt ein Wiedersehen für mich in Frage. Vielleicht sogar als Teilnehmer der Demoläufe. Mal sehen, ob die Veranstalter eher auf den Opel Monza, den M635 von BMW oder die A310 von Alpine aus meiner Garage stehen.

| Mein (ungefragter) Rat: Die Classic Days – Grand Meeting finden alljährlich Ende Juli/Anfang August auf dem Rittergut Birkhof in Korschenbroich statt. Geparkt wird auf den umliegenden Feldern, wer’s bequemer mag, nutzt den Shuttlebus zur S-Bahn-Station Büttgen oder kommt gleich mit dem Fahrrad. Und weil die Tageskarten mittlerweile kein Schnäppchen mehr sind: Termin frühzeitig im Blick behalten und Karten rechtzeitig sichern, bevor die schönsten Plätze am Zaun vergeben sind. |
