E5 vor dem Aus? Was wir Oldtimerfahrer jetzt über die Zukunft des Kraftstoffs wissen müssen

Super E5 gehört für viele Oldtimerfahrer fast selbstverständlich zum Tankstopp. Doch ausgerechnet der gesetzliche Schutz dieser Benzinsorte steht zur Diskussion. Verschwindet E5 also bald von den Tankstellen? Und müssen wir unsere Klassiker künftig mit E10 füttern? Ein sachlicher Blick in den Tank – ohne Panik, aber auch ohne die technischen Besonderheiten unserer alten Autos zu ignorieren.

Ich gebe zu: Wenn ich mit einem Klassiker an die Tankstelle fahre, greife ich grundsätzlich zu E5. Die günstigere Alternative, den Eurosuper E10, meide ich, wo immer es geht. Damit dürfte ich in der Oldtimerszene nicht allein sein. E10 haftet seit seiner Einführung 2011 ein Imageproblem an – Ethanol und alte Autos, das passt für viele von uns ungefähr so gut zusammen wie Streusalz und frisch restaurierte Radläufe. Aber ist diese Skepsis technisch überhaupt gerechtfertigt? Und wie lange werden wir E5 überhaupt noch überall bekommen? Im europäischen Ausland ist es ja schon weitgehend ausgestorben.

Die große Frage: Darf mein Old- oder Youngtimer Super E10 oder muss es unbedingt Super E5 sein?

Die aktuelle Rechtslage: die Bestandsschutzsortenregelung

Zunächst die wichtigste Nachricht: E5 wird aktuell nicht abgeschafft. In Deutschland gilt eine sogenannte Bestandsschutzsortenregelung. Wer an einer Tankstelle Superbenzin mit mehr als fünf Volumenprozent Ethanol anbietet – also etwa Super E10 –, muss dort grundsätzlich auch Super mit maximal fünf Prozent Ethanol anbieten. Für kleinere Tankstellen gibt es eine Ausnahme. Diese Regelung ist der Grund, warum E5 bislang nicht einfach flächendeckend durch E10 ersetzt werden kann. Doch genau diese Regel steht inzwischen zur Diskussion.

Der Vorstoß des ADAC

Im Frühjahr 2026 hat der ADAC eine klare Position bezogen: Der gesetzliche Bestandsschutz sollte künftig von Super E5 auf Super E10 übertragen werden. Das klingt zunächst nach dem Ende von E5. Ist es aber nicht. Würde der Gesetzgeber diesem Vorschlag folgen, dürfte eine Tankstelle weiterhin E5 verkaufen – sie wäre nur nicht mehr gesetzlich verpflichtet, E5 zusätzlich anzubieten, wenn sie E10 im Programm hat. Das ist ein erheblicher Unterschied: Aus „E5 wird verboten“ würde „E5 muss nicht mehr überall angeboten werden“. Für uns Oldtimerfahrer wäre allerdings auch das eine bemerkenswerte Veränderung, wie ich finde.

Das Angebot an Kraftstoffen an der Tankstelle ist manchmal vielfältig…

Wie verbreitet ist E5 aktuell wirklich?

Aufschlussreich sind die Zahlen, die der ADAC selbst nennt: 2024 hatte Super E10 einen Anteil von knapp 30 Prozent am Ottokraftstoffmarkt. Umgekehrt bedeutet das: Rund 70 Prozent entfielen noch auf E5. Das angebliche Auslaufmodell ist also bislang ziemlich lebendig. Trotzdem gibt es Gründe, warum sich das Verhältnis künftig ändern könnte – ein höherer Bioethanolanteil kann zur Senkung der fossilen CO₂-Emissionen beitragen, gleichzeitig benötigen Tankstellen ihre Zapfsäulen und Tanks künftig womöglich für weitere Kraftstoffsorten. E10 soll deshalb stärker zur Standardsorte werden. Der ADAC fordert gleichzeitig, dass E5 regional weiterhin verfügbar bleiben sollte. Und genau da werde ich als Oldtimerfahrer hellhörig.

…und manchmal überschaubar.

Was E5 und E10 technisch tatsächlich unterscheidet

Die Antwort auf die Frage, warum wir überhaupt so gerne E5 tanken, lautet meistens: wegen des Ethanols. Allerdings steckt bereits im Namen eine kleine Falle: E5 bedeutet nicht ethanolfrei. Super E5 darf bis zu fünf Volumenprozent Bioethanol enthalten, Super E10 entsprechend bis zu zehn Prozent. Wir diskutieren also nicht über Ethanol oder kein Ethanol, sondern über unterschiedliche zulässige Anteile. Ethanol besitzt einige Eigenschaften, die bei älteren Kraftstoffsystemen problematisch sein können – bestimmte Kunststoffe, Dichtungen, Schläuche und andere Materialien reagieren empfindlich. Unsere Oldtimer wurden nun einmal zu einer Zeit konstruiert, als niemand daran dachte, dass Jahrzehnte später Kraftstoffe mit höheren Ethanolanteilen zum Standard werden könnten.

Weder Generalverbot noch Generalfreigabe

Auch hier lohnt es sich, etwas Luft aus der Diskussion zu lassen. Die Aussage „E10 ist für Oldtimer grundsätzlich schädlich“ ist genauso falsch wie die Behauptung „E10 ist für jeden Oldtimer problemlos geeignet“. Entscheidend ist das konkrete Fahrzeug. Es gibt Hersteller und Modelle, für die entsprechende Freigaben existieren; bei anderen wird ausdrücklich von E10 abgeraten. Die Herstellerfreigabe ist deshalb der sinnvollste Ausgangspunkt: Ist ein Fahrzeug für E10 freigegeben, kann der Kraftstoff grundsätzlich verwendet werden. Existiert keine Freigabe oder wird E10 ausdrücklich ausgeschlossen, würde ich mit einem Klassiker keine Experimente veranstalten. Schließlich reden wir bei unseren Autos nicht über Wegwerfprodukte.

Die Oldtimer-Besonderheit: Standzeiten und Kraftstoffalterung

Ein Punkt, den ich bei der Diskussion fast wichtiger finde als die reine E10-Verträglichkeit: Unsere Autos stehen viel. Ein moderner Alltagswagen bekommt vielleicht alle zwei Wochen eine neue Tankfüllung, der Kraftstoff wird verbraucht, bevor Lagerzeiten überhaupt zum Thema werden. Beim Oldtimer sieht das anders aus. Viele unserer Klassiker fahren im Jahr vielleicht 2.000, 3.000 oder 5.000 Kilometer, im Winter stehen sie mehrere Monate – manchmal bleibt derselbe Kraftstoff sehr lange im Tank. Damit wird nicht nur die Materialverträglichkeit interessant, sondern auch die Lagerfähigkeit des Kraftstoffs. Kraftstoff altert.

Eine kleine exemplarische Auswahl von Kraftstoffstabilisatoren. Auf dem Markt gibt es noch viel mehr.
(Foto ist KI generiert)

Aus eigener Erfahrung kann ich die sogenannten Kraftstoffstabilisatoren empfehlen. Diese Additive schützen Benzin oder Diesel vor Alterung, Oxidation und Zersetzung während langer Standzeiten. Ihre Wirkung entfalten die Stabilisatoren in vier Bereichen:

  • Sie verhindern Oxidation, halten den Kraftstoff frisch und stoppen chemische Reaktionen mit Sauerstoff.
  • Sie schützen vor Verharzung und verhindern, dass klebrige Rückstände Vergaser, Einspritzdüsen oder Leitungen verstopfen.
  • Sie leisten Korrosionsschutz, da sie einen Schutzfilm auf Metallteile im Tank und Kraftstoffsystem legen.
  • Sie erhalten die Zündfähigkeit und sorgen dafür, dass der Motor nach Wochen oder Monaten (z. B. nach der Winterpause) problemlos anspringt.

Verschiedene Hersteller bieten die Kraftstoffstabilisatoren an. Hier entscheidet ihr nach Gusto und Geldbeutel.

Die Frage sollte bei einem Oldtimer also nicht nur lauten „Verträgt mein Motor E10?“, sondern auch „Wie lange bleibt der Kraftstoff im Tank?“

Der Vergaser als Schwachstelle

Bei vielen klassischen Fahrzeugen kommt ein weiterer Unterschied hinzu: Sie besitzen einen Vergaser mit Schwimmer, Dichtungen, Membranen, Düsen und kleinen Kraftstoffkanälen. Bei langen Standzeiten kann verdunstender beziehungsweise alternder Kraftstoff Ablagerungen hinterlassen und Probleme verursachen. Mein Kfz-Meister André Förster kennt das Bild nur zu gut: Öffnet er nach längerer Standzeit einen Vergaser, wartet dort öfter mal eine klebrige Überraschung auf ihn, statt der sauberen Technik, die er sich wünscht. Was dabei zurückbleibt, erinnert weniger an Kraftstoff als an eingetrockneten Bernstein – hübsch anzusehen vielleicht, aber im Vergaser so willkommen wie Sand im Getriebe. Auch die Kraftstoffleitungen verdienen Aufmerksamkeit – wer einen Oldtimer seit Jahrzehnten besitzt, sollte sich ohnehin fragen, wie alt die Leitungen tatsächlich sind. Ein 40 Jahre alter Benzinschlauch wird nicht dadurch besser, dass wir besonders sorgfältig E5 tanken. Bei einer Restaurierung oder größeren Wartung kann es deshalb sinnvoll sein, kraftstoffführende Schläuche und Dichtungen gegen moderne, geeignete Materialien auszutauschen – natürlich dort, wo dies technisch und unter dem Gesichtspunkt der Originalität vertretbar ist. Das ist für mich sinnvollere Vorsorge als pauschale Angst vor jeder E10-Zapfsäule.

Der Vergaser: außen huih und innen?

Was passiert, wenn der Bestandsschutz tatsächlich fällt?

Selbst eine Änderung des gesetzlichen Bestandsschutzes würde nicht bedeuten, dass am nächsten Morgen sämtliche E5-Zapfsäulen abgebaut werden. Solange genügend Autofahrer E5 kaufen, gibt es für Tankstellen einen wirtschaftlichen Grund, den Kraftstoff anzubieten. Bei rund 70 Prozent Marktanteil im Jahr 2024 sprechen wir jedenfalls noch nicht über eine exotische Randsorte. Langfristig könnte sich das Verhältnis natürlich verschieben: E5 könnte nach und nach weniger selbstverständlich werden, bleibt vielleicht an großen Stationen und in bestimmten Regionen verfügbar, während kleinere Tankstellen ihr Angebot reduzieren. Für uns Oldtimerfahrer wäre das lästig. Eine Katastrophe wäre es aber noch nicht.

Super Plus – keine automatische Lösung

Für Fahrzeuge, die E10 nicht vertragen, kommt als Alternative häufig Super Plus ins Spiel. Aber auch hier lohnt genaues Hinsehen: Die Oktanzahl allein sagt nichts über den Ethanolanteil aus. Man sollte also nicht automatisch davon ausgehen, dass Super Plus gleich ethanolfrei bedeutet. Entscheidend ist die Kennzeichnung an der Zapfsäule – auch Super Plus kann als E5 oder E10 angeboten werden, weshalb sich der Blick auf das kleine E5- beziehungsweise E10-Symbol lohnt. Daneben gibt es Premiumkraftstoffe verschiedener Anbieter, deren tatsächliche Zusammensetzung sich unterscheiden kann. Wer gezielt wegen eines niedrigen oder fehlenden Ethanolanteils tankt, sollte deshalb die aktuelle Produktspezifikation des jeweiligen Anbieters prüfen und sich nicht allein auf Markennamen verlassen.

Mein Praxis-Check für den eigenen Klassiker

Eine pauschale Empfehlung für alle Klassiker wäre unseriös, deshalb gehe ich nach einem einfachen Prinzip vor. Hat der Hersteller E10 ausdrücklich freigegeben, besteht aus Sicht der Freigabe kein Grund, E10 grundsätzlich zu meiden. So darf mein 28 Jahre alter „Fast-Oldtimer“ Volvo V70 ohne Probleme E10 tanken, während mein gleichaltriges 406er Coupé von Peugeot E10 nicht verträgt. Gibt es keine Freigabe oder wird E10 ausgeschlossen, bleibe ich bei einer geeigneten E5-Sorte beziehungsweise einer vom Hersteller empfohlenen Alternative. Steht das Auto monatelang, beschäftige ich mich zusätzlich mit der Lagerung des Kraftstoffs und dem Zustand der gesamten Kraftstoffanlage. Und unabhängig davon gilt: Alte Kraftstoffschläuche, poröse Dichtungen und jahrzehntealte Membranen gehören kontrolliert – nicht wegen einer politischen Diskussion über E5, sondern weil Benzin und Undichtigkeiten ohnehin keine besonders gute Kombination sind.

Keine Panik an der Zapfsäule

Für mich ist die wichtigste Erkenntnis aus der aktuellen Diskussion: Wir müssen jetzt keine Kanister bunkern. E5 ist nicht verboten und auch nicht unmittelbar vor dem Verschwinden. Aber sein besonderer gesetzlicher Schutz steht zur Diskussion. Sollte dieser irgendwann fallen, könnte sich das Tankstellenangebot langsam verändern – und dann wären ausgerechnet die Fahrer älterer Fahrzeuge diejenigen, die genauer hinsehen müssten. Die Oldtimerszene sollte diese Entwicklung deshalb aufmerksam verfolgen. Nicht mit Panik, sondern mit Sachverstand.

Mein Fazit

Vielleicht ist die ganze E5-Diskussion sogar ein guter Anlass, sich einmal intensiver mit dem Kraftstoffsystem des eigenen Klassikers zu beschäftigen: Welche Kraftstoffe hat der Hersteller freigegeben? Wie alt sind meine Benzinleitungen? Welche Dichtungen wurden bei der letzten Vergaserüberholung eingebaut? Wie lange steht mein Auto im Winter mit derselben Tankfüllung? Ist die Zugabe eines Kraftstoffstabilisators im Winter sinnvoll? Das sind Fragen, die für unseren Klassiker wahrscheinlich wichtiger sind als manche dramatische Schlagzeile. Denn eines steht im Sommer 2026 fest: E5 ist noch da. Ob es in einigen Jahren noch an jeder Tankstelle selbstverständlich verfügbar sein wird, ist eine ganz andere Frage. Bis dahin genieße ich -technisch, nicht preislich- jeden Tankstopp beruhigt durch Super E5 – und behalte die Zapfsäule trotzdem im Auge.

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