Es geht auch anders – Mein Besuch in der Toyota Collection
Nichts ist unmöglich: Ein Samstag im Februar, draußen 6 Grad, die Sonne strahlt und ihr steht vor einer Halle voller Automobil-Legenden – von Brot und Butter über Supersportwagen bishin zu Design-Ikonen – und das alles auch noch bei freiem Eintritt. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Willkommen in der Toyota Collection!
Es war kurz vor zehn Uhr morgens, als ich auf den Parkplatz der Toyota Deutschland GmbH in Köln-Marsdorf einbog. Und schon da wusste ich: Das wird kein gewöhnlicher Samstag. Nur heute in der Collection: Ein Formel-1-Bolide, zwei Le-Mans-Rennwagen und drei Rallye-Fahrzeuge – mehr PS pro Quadratmeter als auf manchem Trackday. Motorsporttag bei Toyota Classics!

Die Schatzsuche in Köln-Marsdorf
Die Toyota Collection versteckt sich nicht. Ihr findet sie direkt neben der architektonisch interessanten Toyota-Deutschland-Zentrale, genau gesagt, rechts daneben, in der Toyota-Allee 2, dahinter dann nur noch der Kölner Autobahnring. Jeden ersten Samstag im Monat öffnen sich dort die Türen von 10 bis 14 Uhr – und das Beste: Der Eintritt ist frei. Kostenlos. Null Euro. Nicht mal ein Parkticket.
Als ich die Halle betrat, verschlug es mir kurz die Sprache. 1.800 Quadratmeter voller Blechliebe, aufgereiht wie in einem sehr gut sortierten Traum. Zwischen 70 und 75 Fahrzeuge erzählen hier ihre Geschichten – von sechs Jahrzehnten Toyota-Historie in Deutschland und darüber hinaus.






Die Sammlung geht auf die private Leidenschaft des Toyota-Händlers Peter Pichert zurück. Toyota Deutschland übernahm seine Schätze und machte sie der Öffentlichkeit zugänglich. Heute ist das hier eine der größten Toyota-Sammlungen außerhalb Japans. Nicht schlecht für einen Samstag in Köln.
Sechs Rennwagen und eine Rallye-Legende
Aber zurück zum Motorsport-Tag. Denn am 7. Februar 2026 stand die Collection ganz im Zeichen von Schotterpisten und Rennstrecken. Der Bogen war breit gespannt: von der Formel 1 über Le Mans bis zur Rallye-WM war alles vertreten.
Der Formel-1-Bolide von Timo Glock und Jarno Trulli stand da wie ein Raumschiff aus einer anderen Ära – flach, breit, und mit mehr Aerodynamik-Finessen als ich Finger an beiden Händen habe. Daneben die beiden Le-Mans-Rennwagen, gezeichnet für die 24-Stunden-Schlachten an der Sarthe. Man konnte die Geschichten förmlich riechen: Gummi, Benzin, Adrenalin, Dramen, aber auch Triumphe.

Die drei Rallye-Fahrzeuge waren meine persönlichen Favoriten, nicht nur, weil mein Freund Norbert für das Toyota Team Europe damals und bis heute bei Toyota Racing tätig ist. Überrollkäfige, die aussehen, als könnten sie einen Hauseinsturz überstehen. Sitze, die mehr Halt geben als eine gute Lebensversicherung. Und Lackierungen, heute wieder blitzblank poliert, die aber von Schlamm, Schotter und Schnee erzählen – den drei Elementen, die Rallye-Fahrer entweder lieben oder verfluchen. Manchmal beides gleichzeitig.




Isolde Holderied und die Helden auf und neben der Piste
Das eigentliche Highlight für viele Besucher an diesem Tag wartete aber in der Talk-Runde. Moderiert von niemand Geringerem als Isolde Holderied – zweifache Damen-Rallye-Weltmeisterin und Toyota-Markenbotschafterin. Eine Frau, die mehr Kilometer auf Schotterpisten verbracht hat als die meisten von uns im Straßenverkehr.
Und sie hatte Verstärkung mitgebracht: Oda Dencker-Andersen, Rallye-Legende mit einem Lächeln, das verrät, dass sie jede Sonderprüfung in Europa kennt. Philip Geipel, amtierender Deutscher Rallye-Meister, der aussieht, als würde er auch im Schlaf noch Pace-Notes rezitieren – diese Streckenbeschreibungen, die der Beifahrer im Renntempo vorliest und die über Sieg oder Totalschaden entscheiden. Wolfgang H. Inhester, ehemaliger Deutscher Rallye-Meister, der die Szene gestern und heute kennt wie seine Westentasche. Reinhard Klein, Rallye-Fotograf, dessen Bilder nicht nur mehr sagen als tausend Worte, sondern um die Welt gingen. Dazu Ernst Kopp, der Rallye-Technik-Papst, der einfach vergessen hat, den Gruppe S-Prototypen „Black Beast“ zu verschrotten, diesen dafür aber in akribischer Kleinarbeit wieder auf den Schotter brachte.

Die Halle war rappelvoll. Sehr gut besucht, würde man in einer Pressemitteilung schreiben. Ich würde sagen: proppenvoll mit Menschen, die Benzin im Blut haben.
Isolde erzählte von Rennen, bei denen der Co-Pilot wichtiger war als die Bremsen. Ernst Kopp erklärte, warum eine gute Federung den Unterschied zwischen Sieg und Notausgang bedeutet. Und Philip Geipel verriet, dass auch heute noch das größte technische Problem im Rallyeauto zwischen Lenkrad und Sitz sitzt – der Fahrer. Ich hätte noch stundenlang zuhören können.
Vom 2000 GT bis zur Supra – Die Highlights zum Anfassen
Aber die Collection hat noch viel mehr zu bieten als Motorsport. In den Reihen stehen Ikonen wie der Toyota 2000 GT – ein Auto, das so selten ist, dass man es eher in einem James-Bond-Film als auf der Straße sieht. Und in Köln-Marsdorf stehen sich gleich zwei davon gegenüber. Wert: über 2 Millionen Euro! Daneben Serienfahrzeuge wie Carina, Corolla, Camry, Crown, Celica, Supra und Starlet aus verschiedenen Jahrzehnten. Alles dabei: von Brot und Butter bis zur Luxusklasse, die hier gerne Lexus heißt. Jedes Modell ein Zeitzeuge, jedes mit seiner eigenen Geschichte.




Der Feuerwehr Land Cruiser in der Ecke sah aus, als hätte er mehr Brände gelöscht, als Schimanski Morde aufgeklärt. Und dann dieser unverwüstliche Blick, der sagt: „Ich fahre auch noch, wenn der Rest der Welt in Flammen steht.“
Das Besondere an der Toyota Collection: Man darf die Fahrzeuge anfassen. Türen öffnen. Ins Cockpit schauen. Bei manchen sogar einsteigen. Kein „Bitte nicht berühren“-Schild weit und breit. Stattdessen: „Bitte erleben Sie unsere Geschichte.“ Vorsicht fragte ich vor meinem Besuch nach, ob ich meine Hündin Vroni mitbringen dürfte. Die Antwort von der Toyota Collection war einfach umwerfend: Hunde an der Leine dürfen rein, aber bitte nicht in die Autos!

Ich öffnete die Tür (Vroni blieb draußen!) eines alten Celica GT aus den frühen Achtzigern. Der Geruch von Kunstleder und Vergangenheit schlug mir entgegen – dieser unverwechselbare Mix aus Öl, altem Kunststoff und den Geschichten von tausenden Fahrten. Das Lenkrad war größer als bei modernen Autos, fast schon wie ein Schiffssteuerrad. Die Sitze fester, kompromissloser. Die Schaltwege länger, mit diesem befriedigenden mechanischen Klacken bei jedem Gangwechsel.
Als ich auf dem Fahrersitz saß und meine Hände um das Lenkrad legte, spürte ich für einen Moment, was es bedeutet haben muss, in den Achtzigern mit so einem Auto unterwegs gewesen zu sein. Keine Assistenzsysteme, kein Navi, keine Ablenkung. Nur du, die Straße und die Mechanik. Das Armaturenbrett war übersichtlich, fast schlicht – ein paar Rundinstrumente, ein Radio, fertig. Alles fühlte sich mechanischer an, direkter, ehrlicher irgendwie.
Und dann kam sie wieder, diese Erinnerung an meine eigene Jugend. Mein erster Wagen hatte ein ähnliches Lenkrad gehabt, ähnliche Sitze. Damals war ich stolz darauf, endlich mobil zu sein. Heute weiß ich: Es ging nie nur um Mobilität. Es ging um Freiheit, um das Gefühl, sein Leben selbst in der Hand zu halten.

Als ich aus der Celica ausstieg, konnte ich für einen langen Moment verstehen, warum Menschen sich in solche Autos verlieben – und warum sie bereit sind, Wochenenden in der Garage zu verbringen, um sie am Leben zu erhalten.
Das Geheimnis des ersten Samstags
Die Toyota Collection öffnet, wie gesagt, jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 14 Uhr. Vier Stunden, die schneller vergehen als eine Tankfüllung bei einem V8. Aber es sind vier Stunden, die sich lohnen.
An den regulären Öffnungstagen gibt es immer wieder Themen-Events wie den heutigen Motorsport-Tag. Dazu kommen Tausch- und Sammlerbörsen, wo Fans Pins, Poster, Modellautos und Ersatzteile handeln wie Briefmarkensammler ihre seltensten Stücke. Besonders am Jahresbeginn wird es hier richtig lebendig.
Was mich am meisten beeindruckt hat: die Community. Überall standen kleine Grüppchen zusammen, diskutierten über Vergasereinstellungen, tauschten Geschichten aus, halfen sich gegenseitig bei Fragen zu Restaurierungen. Ein älterer Herr erklärte einem jungen Mann geduldig, wie man bei einem Starlet die Zündung einstellt. Eine Frau zeigte auf ihrem Handy Bilder ihrer eigenen Celica-Restaurierung. Das ist es, was solche Orte besonders macht: Es geht nicht nur um Autos. Es geht um Menschen, die ihre Leidenschaft teilen.
Der Parkplatz-Bonus
Bevor ich ging, schlenderte ich noch einmal über den Parkplatz. Die Fahrzeuge, die hier standen, hätten eine eigene Ausstellung verdient. Ein Supra MK4 in knalligem rot – selten wie ein freundlicher Finanzbeamter. Ein authentischer Corolla AE86, der aussah, als wäre er direkt aus einem Tourenwagen-Startfeld der 1980er Jahre entsprungen. Mit so einem Tourenwagen gewann mein viel zu früh verstorbener Freund Rudi Sazma die 1600er Klasse beim 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Und Lexus aller Couleur, Celicas, Camrys oder MR2 – mehr, als in ein klassisches Auto-Quartett passen. Manche Besucher kommen offenbar für die Collection, andere für den Parkplatz. Und die Klugen genießen beides.






Ein Mann mit einem Corolla erzählte mir, dass er extra aus dem Ruhrgebiet angereist war – nicht nur für die Ausstellung, sondern auch, um andere Toyota-Enthusiasten zu treffen. „Wo sonst findet man an einem Samstag so viele Gleichgesinnte?“, fragte er mit einem Grinsen. Guter Punkt.
Warum ihr das nicht verpassen solltet
Als ich die Halle verließ, wusste ich: Die Toyota Collection ist mehr als ein Museum – es ist ein Treffpunkt. Ein Ort, wo Geschichten geteilt werden, wo man Fahrzeuge anfassen darf und wo der Eintritt frei ist.
Was die Collection besonders macht, ist die Mischung: Motorsport-Legenden neben Alltagsautos. Technik-Talks neben persönlichen Anekdoten. Profis neben Hobby-Schraubern. Und alles unter einem Dach in Köln-Marsdorf.




Mein persönliches Highlight war nicht nur die Hardware – so beeindruckend die Rennwagen auch waren – sondern die Menschen. Die Rallyefahrer, die von Siegen und Totalschäden erzählten, als wären es Episoden aus der gleichen Geschichte. Die Sammler, die ihre Pins wie Schätze hüteten. Die Besucher, die mit leuchtenden Augen vor den beiden 2000 GT standen und von ihrer eigenen Oldtimer-Restaurierung träumten.
Der nächste reguläre Öffnungstermin ist übrigens schon am 1. März 2026 – wieder von 10 bis 14 Uhr, wieder kostenlos. Mein Tipp: Kommt früh, plant mindestens zwei Stunden ein, und bringt Zeit für Gespräche mit. Denn hier geht es nicht ums schnelle Durchhetzen – hier geht es ums Erleben.
Wer von euch war schon da? Schreibt mir eure Highlights – ich bin gespannt, welche Fahrzeuge euch am meisten begeistert haben! War es der legendäre 2000 GT? Ein Rallye-Monster aus den Achtzigern? Oder vielleicht ein unscheinbarer Corolla, der eure eigenen Erinnerungen wachgerufen hat?






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Toyota Collection Köln-Marsdorf
Toyota-Allee 2, 50858 Köln
Öffnungszeiten: Jeden 1. Samstag im Monat, 10-14 Uhr
Eintritt: Frei
Infos: www.toyota-collection.de
