InterClassics Maastricht 2026: Zwischen Traumautos und Preisschock

Unsere traditionelle Oldtimer-Exkursion in die Niederlande entwickelte sich zu einem Messebesuch mit gemischten Gefühlen. 52.500 Euro für eine Toyota Celica? Ernsthaft? Ich stehe vor dem kleinen Japan-Coupé, reibe mir die Augen und schaue nochmal auf das Preisschild. Dann dreht ich mich langsam zu den Jungs um: „Stephan, entweder ist das ein Druckfehler, oder der Verkäufer meint japanische Yen.“ Dann wäre die 1,6 Celica GT für knapp 300 Euro ein echtes Schnäppchen!

Willkommen bei der InterClassics Maastricht 2026 – wo die Preise verrückter sind als manche Autos. Wie jedes Jahr im Januar haben wir uns auf den Weg gemacht: Axel, der Porsche-Profi, Stephan, der Enthusiast für alles von der britischen Insel, Harald, der Mercedes SL und Alfa-Freund und ich, mit einem Herz für automobile Mauerblümchen. Unser Ziel: Die InterClassics Maastricht, wie schon im vergangenen Jahr. Stephan schmierte die leckeren Brötchen mit Jägermett, Salami und Käse, Harald kutschierte uns an die Maas und zurück und alle vier beobachteten mit den Augen eines Privatdetektivs das Messeangebot. Am heutigen Sonntag, dem 18. Januar 2026, schließt die 31. Ausgabe der Messe ihre Tore – und wir waren natürlich schon am Eröffnungs-Donnerstag vor Ort.

Zahlen, Fakten und japanische Legenden
Vom 15. bis 18. Januar verwandelte sich das MECC Maastricht wieder in ein Eldorado für Oldtimer-Fans. Über 300 Aussteller präsentierten rund 800 Fahrzeuge – von Vorkriegs-Klassikern über Youngtimer bis hin zu modernen Sport- und Luxuswagen. Das diesjährige Sonderthema „Legends of the Rising Sun“ rückte legendäre japanische Sport- und Rennwagen wie den Toyota 2000 GT oder den Mazda 787 B ins Rampenlicht.

„Mit dem auf der East-African Rallye, das wär doch was für uns!“, scherzt Axel begeistert, während er um einen perfekt restaurierten Datsun 240 Z im Rallye-Trimm kreist. Dabei bin ich mir sicher, ob das von Axel wirklich nur als Scherz gemeint ist. Eins steht jedoch fest: Diese Autos wurden jahrelang belächelt, heute sind sie anerkanntes Kulturgut.

Die Messe war wie immer gut besucht, die Stimmung beim Saisonauftakt mitten im Winter wie immer entspannt freudig. Überall Gleichgesinnte, überall leuchtende Augen beim Anblick verchromter Stoßstangen und polierter Speichenräder. Kennt ihr das? Dieses Gefühl, wenn man weiß: Hier versteht mich jeder. Doch beim aufmerksamen Rundgang durch die Hallen kam bei uns allen ein zunehmend seltsames Gefühl auf.

Die East African Rallye ruft – mit Axel?

Preisschock auf ganzer Linie
Neu in diesem Jahr: Ein „Supercar Foyer“ mit hochkarätigen Supersportwagen von Ferrari, Porsche oder Koenigsegg. Autos, bei denen schon ein Ölwechsel mehr kostet als manch einer unserer Oldtimer. Ob das für eine Oldtimer-Messe die richtige Entwicklung ist? Mal sehen, was welche Richtung die Bremen Classic Motorshow Ende Januar einschlägt.

Aber zurück zu den echten Klassikern – und zu dem, was uns alle sprachlos gemacht hat: Die Preise. Von Marktveränderung oder Preisberuhigung war eigentlich in Maastricht überhaupt nichts zu spüren. Mercedes-Benz 190 SL und Pagoden (die eleganten SL-Modelle der 60er Jahre) bewegten sich weiterhin weit über 120.000 Euro. „Da haben wohl manche den Knall noch nicht gehört“, ist sich Axel sicher und wir stimmen nickend zu.

Ihr denkt, ein VW Käfer ist ein Einstiegsklassiker für kleines Geld? Dann haltet euch fest: Kein einziges Fahrzeug unter 35.000 Euro auf der ganzen Messe. Selbst ein (angeblich) neuer Trabant wurde für stolze 17.500 Euro angeboten – damit spielt der kleine Sachse in einer Preisklasse, von der er nie geträumt hat.

Kein Volkswagen unter 35.000 Euro.

Und dann natürlich der rote Toyota Celica 1,6 GT aus 1974, der mich nur den Kopf schütteln ließ: 52.500 Euro. Sicher ein schönes und auch seltenes Auto, keine Frage. Aber zu diesem Preis? „Für das Geld“, rechnet Axel vor, „bekomme ich einen sehr ordentlichen 911 SC. Mit Motor. Und allem.“

Ein Restaurationsobjekt in Form eines Alfa Romeo 1750 Spider aus 1969 stand für 26.000 Euro in der Halle – da muss man schon tief in die Tasche greifen, bevor überhaupt die erste Schraube gedreht ist. Am anderen Ende der Skala: Eine Lancia Aurelia B 20 Serie 3 für schwindelerregende 490.000 Euro. Fast eine halbe Million. Schnappatmung hoch vier.

Axel schaute sich intensiv bei den Porsches um, sein Jagdgebiet. „Die Spreizung ist extrem“, erklärt er uns beim Kaffee. „G-Modelle findest du noch zu halbwegs normalen Preisen. Aber alles andere? Vergiss es. Die Schere geht immer weiter auf.“

Exoten mit Exoten-Preisen
Wer etwas wirklich Besonderes suchte, wurde durchaus fündig. Ein Fiat Panda 4×4 Wettbewerbsfahrzeug in klassischer Martini-Lackierung für 35.000 Euro – ein Auto, das man sonst kaum zu sehen bekommt. „Ein Panda für 35.000″, murmelt Harald. „Was haben die geraucht?“

Oder ein Isuzu 117 Coupe aus 1971 für 28.000 Euro, ein elegantes japanisches Coupé mit italienischem Design-Einschlag von Giugiaro. Wunderschön, ohne Frage. Aber wer kennt den Isuzu 117? Wer kann ihn reparieren? Wo kriegt man Ersatzteile her?

Und für diejenigen mit wirklich prall gefülltem Portemonnaie: Ein Donkervoort F 22 aus 2024 mit 500 PS für 399.000 Euro. Ein niederländischer Sportwagen-Hersteller, der Lotus-Gene mit moderner Technik kreuzt. Beeindruckend – aber halt kein Oldtimer.

Was uns fehlte – und was uns stutzig macht
Und hier kommen wir zum wunden Punkt. Setzt euch kurz hin, das wird jetzt etwas philosophisch.

Die InterClassics Maastricht war früher DER Treffpunkt für bodenständige Oldtimer-Enthusiasten. Die Messe, wo man noch echte Schnäppchen machen konnte, wo auch Ersatzteile und Werkzeug die Hallen füllten, wo man den Händler nach Feierabend zum Bier traf und Geschichten austauschte.

Doch dieses Jahr dominierten gefühlt Neufahrzeuge und sehr junge Gebrauchte aus dem Supercar- und Luxusbereich das Bild. Klassische „Brot-und-Butter-Oldtimer“ – also das, was wir alle fahren und lieben – wurden zur Seltenheit. Auch Ersatzteilhändler, früher ein wichtiger Bestandteil der Messe, waren kaum noch vertreten.

„Wo sind die Vergaser-Spezialisten?“, fragt Stephan in die Runde. „Wo sind die Typen, die dir aus einem rostigen Blech ein Ersatzteil zaubern?“

Die Messe wandelt sich zunehmend vom Oldtimer-Markt zum Luxus-Showcase. Ob das die richtige Entwicklung ist, darüber kann man trefflich streiten. Für uns vier war es jedenfalls ein Stück weit ernüchternd. Es fühlte sich an wie ein Klassentreffen, bei dem plötzlich alle über ihre Aktienportfolios reden statt über die alten Zeiten.

Der Moment, der hängen blieb
Dann passierte es. Stephan blieb stehen. Einfach so, mitten im Gang, zwischen all den hochglanzpolierten Sammlerstücken und den astronomischen Preisschildern.

Vor ihm: Ein Jaguar XK, stark patiniert, mit Rostflecken auf dem Lack, mit einer sichtbaren Delle in der rechten Tür. Kein Concours-Sieger. Kein Museumsstück. Ein Auto, das gelebt hat.

„Seht ihr das?“, flüsterte er fast andächtig und deutete auf ein kleines Schild neben dem Auto. „Die Delle ist von einem Parkrempler in Le Mans 1955. Die Geschichte steht hier komplett dokumentiert. Originalfotos, Zeitungsartikel, alles.“

An der Katze ist alles echt.

Er drehte sich zu uns um, und ich sah dieses Leuchten in seinen Augen – das Leuchten, das nur echte Autoliebe auslösen kann. „Das ist ein Auto, das Geschichten erzählen kann. Das Erinnerungen trägt. Nicht so ein poliertes Sammlerstück, das seit 20 Jahren in einer klimatisierten Garage steht und nur zum Fotografieren rauskommt.“

Wir standen zu viert da, schwiegen und verstanden uns ohne Worte. Harald legte Stephan kurz die Hand auf die Schulter. „Genau deswegen sind wir hier“, sagte er leise.

Der Jaguar hat viel erlebt und kann noch mehr erzählen.

„Und diese Katze genauso lassen, wie sie ist. Und damit dann zur Planai Classic oder Le Jog in England“, kommentiert Axel mit diesem gewissen Grinsen im Gesicht, bei dem ich immer wieder überlege, träumt er und plant er schon?

Unsere persönlichen Favoriten
Trotz aller Kritik gab es natürlich auch automobiles Herzklopfen – und nicht nur beim Jaguar. Mein persönliches Highlight war ein roter Austin Healey 3000 für 52.800 Euro. Kennt ihr das Gefühl, wenn ein Auto einfach PERFEKT ist? Offensichtlich ehrlicher Zustand, keine Restauration auf Hochglanz poliert, sondern ein Auto zum Fahren und Genießen. Die Patina auf dem Lenkrad erzählte von tausenden Kilometern. Der kleine Ölfleck unter dem Motor von britischer Engineering-Tradition.

„Der würde zu dir passen“, grinste Axel. „Beide ein bisschen abgenutzt, aber mit Charakter.“ Danke, Axel. Danke.

Passt zu mir, nicht mehr taufrisch, aber in Würde gealtert.

Solche Fahrzeuge werden leider immer seltener – die meisten Klassiker verschwinden entweder in Sammlungen oder werden zu Concours-Perfektion restauriert. Dabei sind es doch genau diese ehrlichen, gefahrenen Autos, die Freude machen. Die man nicht ständig mit Mikrofasertüchern umschmeicheln muss. Die man fahren kann, ohne Angst vor jedem Steinschlag zu haben.

Was ihr wissen solltet, wenn ihr selbst hinfahren wollt
Ein paar praktische Tipps aus unserer jahrelangen Erfahrung, falls ihr euch die InterClassics 2027 vormerken wollt:

Die Messe ist am Samstag und Sonntag am vollsten – wer in Ruhe schauen will, kommt schon am Donnerstag. Wir haben alle Varianten ausprobiert, der Eröffnungsnachmittag ist definitiv am entspanntesten, wenn auch der Eintritt teurer ist.

Parken ist direkt am MECC möglich, ist nicht billig auch oft voll. Geduld ist gefragt. Und denkt nicht einmal darüber nach, falsch zu parken. Die Bussgelder bei unseren Nachbarn sind genauso hoch wie die Oldtimerpreise auf der Messe. Wenn ihr es trotzdem probiert, legt schon mal einen Hunni für das behördliche Ticket zur Seite.

Die Eintrittspreise steigen jährlich. Dieses Jahr kostete das Ticket für den Pre-Opening-Tag (Donnerstag) inklusive VK-Gebühr online 32,50 Euro. Plant mindestens vier Stunden ein – die Hallen sind groß und die Gangführung recht unübersichtlich, und wenn man sich auf Gespräche mit Händlern einlässt (was sich lohnt!), wird’s schnell mehr.

Bargeld für die gastronomische Verpflegung auf der InterClassics brauch ihr nicht. Seit Corona geht’s hier nur noch mit Plastik! Auch viele kleinere Händler akzeptieren Karten. Und ja, wir mussten das auch lernen.

Unser Fazit – oder: Warum wir trotzdem wiederkommen
Die InterClassics Maastricht bleibt eine der größten und wichtigsten Oldtimer-Messen im Benelux-Raum. Aber sie verändert sich. Das Preisniveau ist hoch, das Angebot verschiebt sich in Richtung Luxus und Moderne. Die Zeiten, in denen man noch echte Schnäppchen machen oder einfach einen ehrlichen Alltagsklassiker finden konnte, scheinen vorbei.

Nach fünf Stunden Messerundgang waren unsere Füße müde und unsere Geldbörsen erleichtert – schließlich hatten wir fast nichts gekauft. Nur Harald legte sich ein Paar neue lederne Fahrerhandschuhe zu.

Werden wir nächstes Jahr wiederkommen?
Auf dem Rückweg durch die süd-limburgische Dunkelheit ließen wir unsere Eindrücke erst einmal sacken. Es wurde still im Skoda. Und kurz vor der Kontrolle an der Grenze zu Deutschland fiel es uns wie Schuppen aus den Haaren, was wirklich wichtig ist. Nicht die Messe mit ihren Preisschildern und Luxus-Showcases. Sondern diese Momente hier. Vier Freunde, ein gemeinsamer Weg, die Diskussion über Autos, die wir uns nie leisten werden. Die Vorfreude auf das nächste Jahr. „Wisst ihr was?“, sagte Harald plötzlich. „Die Preise können steigen, wie sie wollen. Die Messe kann sich verändern. Aber solange wir vier uns jedes Jahr im Januar treffen, um zusammen nach Maastricht zu fahren – solange ist alles gut.“

Axel nickte. Stephan auch. Und ich? Ich musste kurz schlucken.

Werden wir 2027 wiederkommen? Natürlich. Nicht wegen der Autos. Nicht wegen der Preise. Sondern weil die Freundschaft bleibt, auch wenn sich alles andere verändert.

Die schönsten Oldtimer-Erlebnisse passieren nicht in Messehallen. Sie passieren auf dem Weg dorthin. Und auf dem Weg zurück. Zwischen Heerlen und Maastricht, mit drei Freunden und der Gewissheit, dass manche Dinge unbezahlbar sind. Auch wenn ein Toyota Celica mittlerweile 52.500 Euro kostet.

*Die InterClassics Maastricht 2026 fand vom 15. bis 18. Januar im MECC Maastricht statt. Die nächste Ausgabe ist vom 14. bis 17. Januar 2027 geplant. Wir vier werden da sein. Mit oder ohne Geldbörse.*

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3 Kommentare

  1. Moin Udo,
    in der Klassik Auto Bild von 4/2025, Seite 55 wird in einem 6seitigen Bericht über die Celica zum Schluss eine Celica im Zustand 2 für 18.000 Euro und eine GT mit 107 PS für 23.000 Euro aufgerufen.
    PS: Wir sind mit unserem Z3 Coupe im September in der Eifel
    Liebe Grüsse Angela & Joachim

  2. Ein toller Bericht! Ich finde auch, dass die Preise bei der InterClassics mittlerweile echt schwindelerregend sind. Aber zum Träumen und Gucken ist Maastricht trotzdem jedes Jahr ein Muss. Danke für die ehrlichen Eindrücke.

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