Garagengold-Diskussion in Elend oder: Warum wir trotzdem weiterfahren

„Garagengold“, haben sie gesagt. „Kann nur steigen“, haben sie versprochen. „Beste Wertanlage“, stand in den Magazinen. Und jetzt? Jetzt stehen Pagoden für 89.000 statt 120.000 Euro zum Verkauf – und keiner will sie haben. Während der Deutsche Oldtimer-Index um mickrige 1,85 Prozent steigt und manche Traumwagen plötzlich zu Ladenhütern werden, haben Thomas, Frank und ich auf einem Parkplatz im Harz eine Erkenntnis: Der wahre Wert unserer Autos steht in keinem Index. Diese Erkenntnis kam uns ausgerechnet in einem Ort namens Elend. Und führte uns über Sorge direkt ins Glück.

Hinweis: Die Namen meiner Mitfahrer wurden geändert, aber die Personen und die Geschichte sind real

Von Elend nach Sorge – die perfekte Route für ernste Gespräche

Kennt ihr das? Man steht mit seinen Kumpels und zwei schnurrenden Porsche und einer grollenden Renaulkt Alpine auf einem Parkplatz in Elend – ja, der Ort heißt wirklich so – und jemand macht einen Witz über Garagengold. Und plötzlich wird aus der Kaffeepause eine zweistündige Grundsatzdiskussion über den Oldtimermarkt.

So geschehen Samstag auf unserer Wochenend-Herbsttour durch den Harz im vergangenen Jahr. Thomas, Frank und ich hatten gerade unsere Autos abgestellt, die Motoren noch nicht ganz kalt, als Thomas grinsend meinte: „Na Udo, wie fühlt sich dein gallisches Garagengold heute so an? Oder müssen wir jetzt besser Garagenblei sagen?“

Wer es nicht glaubt – Elend gibt es wirklich. Und man kann in der Region toll Oldtimer fahren – mit einem Klick auf das Bild seht ihr mehr davon

Frank, der gerade aus seinem hochmodifizierten 924 stieg, schnaubte: „Blei? Quatsch. Aber dass die Zeiten vorbei sind, wo jeder Depp dachte, er könne mit einem alten Mercedes reich werden – das ist mal sicher.“ Und schon waren wir mittendrin.

Die Zahlen auf dem Tisch – zwischen Kaffee und Kuchen

Wir setzten uns auf die Holzbank vor dem kleinen Café. Frank, immer der Praktiker, zückte sein Handy. „Schaut mal hier: Der Deutsche Oldtimer-Index, der DOX, ist zum Jahresbeginn 2025 um gerade mal 1,85 Prozent gestiegen. Das ist weniger als die Inflation, Jungs.“

Thomas, der seinen Eatly Grey umrührte, nickte bedächtig: „Stimmt. Aber über 25 Jahre gesehen steht der Index trotzdem bei durchschnittlich 5,6 Prozent pro Jahr. Das ist doch nicht schlecht, oder?“

„Klar“, warf ich ein, „aber das hilft den Leuten wenig, die vor drei, vier Jahren zu Höchstpreisen eingestiegen sind. Die sitzen jetzt auf ihren Traumautos und kriegen sie nicht mehr los – oder nur mit heftigem Verlust.“

Frank ist immer frei raus!

Frank lehnte sich zurück und wurde richtig direkt: „Weißt du, was ich die letzten Monate in der Werkstatt erlebt habe? Reihenweise kommen Leute mit ihren ‚Wertanlagen‘ an. Perfekte Autos, klimatisierte Garage, kaum gelaufen. Und jetzt wollen sie verkaufen, um Kasse zu machen.“ Er machte eine Pause. „Und weißt du was? Die verkaufen sich beschissen. Weil alle wissen: Das sind keine Autos, das sind Spekulationsobjekte.“

Die Pagode – vom Mythos zur Realität

„Nimm die Pagode“, fuhr Frank fort, jetzt richtig in Fahrt. „Die wurde jahrelang als DAS Investment verkauft. 280 SL, am besten in Weiß, mit rotem Leder. Unkaputtbar als Wertanlage, hieß es.“ Thomas grinste: „Unkaputtbar vielleicht. Aber unverkäuflich mittlerweile auch.“

„Exakt!“, rief Frank. „Ich hatte neulich einen schönen 280 SL in der Werkstatt. Zustand 2-3, schöne Historie, alles da. Der Besitzer wollte 120.000 Euro. Nach drei Monaten hat er ihn für 89.000 rausgehauen – und war froh, dass überhaupt jemand gekommen ist.“

Pagoden haben es gerade schwer.

Thomas, der drei seltene Porsche in der Halle hat und alle selbst fährt, seufzte: „Wisst ihr was? Gut so. Endlich werden die Preise wieder realistisch. Ich konnte mir doch jahrelang kein vernünftiges Auto mehr anschauen, ohne dass irgendein Finanzmensch mit seiner Excel-Datei auf dem Handy dazwischen gefunkt hat.“

Zwischen Index und Improvisation

Wir bestellten noch eine Runde Kaffee und Tee. Der Herbstnebel über dem Harz verzog sich langsam, und die Sonne kam durch – passend zur Stimmung.

„Aber ehrlich“, sagte ich, „wenn ich mir die Langfristzahlen anschaue: Manche Autos sind doch richtig gut gelaufen. BMW 3er E30, VW Bus T2, sogar Brot-und-Butter-Mercedes. Das waren nie Spekulationsobjekte, sondern einfach gute Autos.“

Frank nickte anerkennend: „Genau DAS ist der Punkt! Die Autos, die Leute FAHREN, die sie LIEBEN, die behalten ihren Wert. Weil da eine echte Nachfrage ist. Nicht von Anlegern, sondern von Enthusiasten.“

Thomas, der Handwerksmeister, hatte einen pragmatischen Blick darauf: „Ich sag’s mal so: Mein erster Porsche, den hab ich 1995 gekauft. Für 18.000 Mark. Der ist heute vielleicht 60.000 Euro wert – aber gefahren bin ich damit mindestens 100.000 Kilometer. Und jeder einzelne hat sich gelohnt.“ „Alaaf!“, rief ich lachend – und Thomas, der Karnevalist aus Fleisch und Blut, stimmte sofort ein: „Bumm Bumm Hurra!“ Frank schüttelte grinsend den Kopf: „Ihr Rheinländer. Aber recht habt ihr.“

Thomas liebt alles aus Zuffenhausen und den rheinischen Karneval.

Was bedeutet das für uns?

Der Nebel war jetzt komplett weg. Zeit für praktische Schlüsse. „Also“, fasste Frank zusammen, „was lernen wir daraus?“ Ich zählte an den Fingern ab: „Erstens: Wer jetzt kaufen will und nicht spekuliert, kriegt endlich realistische Preise.“ Thomas ergänzte: „Zweitens: Wer sein Auto liebt und fährt, dem ist der Wertverlust scheißegal. Entschuldigt die Ausdrucksweise.“ Frank wurde wieder direkter: „Und drittens – und das ist das Wichtigste: Hört auf, eure Oldtimer als Geldanlage zu sehen! Das sind fahrende Kunstwerke, das ist Kulturgut, das ist Lebensfreude. Aber es ist keine verdammte Aktie!“

Wir schwiegen einen Moment. In der Ferne hörte man einen luftgekühlten Porsche-Motor anspringen – Musik in unseren Ohren. „Weißt du“, sagte Thomas nachdenklich, „mein Kumpel Hans hat neulich seine 280 SL-Pagode verkauft. Mit 25.000 Euro Verlust. Und wisst ihr, was er gesagt hat? ‚Die schönsten 25.000 Euro, die ich je ausgegeben habe. Dafür hab ich zehn Jahre lang jedes Wochenende ein Lächeln im Gesicht gehabt.‘ Frank grinste breit: „Siehste. DAS ist die richtige Einstellung.“

Von Elend über Sorge nach Glücklich

Ich zahlte unsere Zeche und wir machten uns bereit zur Weiterfahrt. Die Strecke nach

Sorge wartete – wieder so ein Ortsname, der perfekt zu unserem Thema passte.

„Wisst ihr was?“, rief ich, während ich meinen Motor startete. „Vielleicht ist das die beste Nachricht aus diesem ganzen Markt-Chaos: Wenn Oldtimer keine Geldanlage mehr sind, werden sie endlich wieder das, was sie sein sollten.“ „Nämlich?“, fragte Thomas. „Autos zum Fahren, zum Genießen, zum Glücklichsein!“ Frank hatte das letzte Wort, bevor er Gas gab: „Und das Beste: Der Weg führt von Elend über Sorge direkt ins Glück. Wenn das keine Metapher ist, weiß ich auch nicht!“

Ja, ich war auch dabei.

Die beiden Porsche und die Flunder aus Dieppe schnurrten los, durch die Kurven des Harzes, vorbei an Fichten und Nebelschwaden. Der DOX interessierte uns plötzlich überhaupt nicht mehr.

Denn mal ehrlich: Welcher Index kann schon messen, wie sich ein luftgekühlter, gefolgt von einem wassergekühlten Sechszylinder und einem scharfen Transaxle, in den Kehren nach Sorge anhören? Oder wie es sich anfühlt, wenn Thomas beim Überholen „Alaaf“ durch die offene Scheibe brüllt? Genau. Unbezahlbar.

Was wir mitnehmen (für alle, die’s praktisch mögen)

Aus unserer Elend-Diskussion wurden drei Erkenntnisse:

1. Jetzt ist vielleicht die beste Zeit zum Kaufen

Wenn ihr schon immer von einem bestimmten Auto geträumt habt – jetzt sind die Preise realistischer. Aber: Kauft mit dem Herzen, nicht mit einer Excel-Kalkulation!

2. Fahren schützt vor Wertverlust

Nicht direkt, aber indirekt: Die Autos, die bewegt werden, die gepflegt werden, die LEBEN – die finden auch Käufer. Die Garagen-Investments? Die stehen.

3. Der beste Index ist dein Lächeln

Franks Werkstatt-Weisheit: „Wenn du nach jeder Fahrt grinsend aussteigst, war’s jeden Cent wert. Egal ob der DOX steigt oder fällt.“

Nachwort: Die Moral von der Geschicht‘

Drei Tage nach unserer Harz-Tour schrieb mir Thomas eine WhatsApp: „Hab gerade gelesen, dass mein 911er vielleicht 10% weniger wert ist als vergangenes Jahr. Wollte nur sagen: Ist mir scheißegal. Nächste Woche gehts nach Österreich. Kommst du mit?“ Ich grinste und schrieb zurück: „Klar. Und diesmal zahlst du den Kaffee.“ Frank kommentierte in der Gruppe: „Alles Spinner im Rheinland. Aber ich bin auch dabei.“ So muss das sein.

Udo, Thomas und Frank

drei Oldtimer-Enthusiasten, die verstanden haben: Der wahre Wert liegt nicht im DOX, sondern im Driving.

Gefahren im Herbst 2025 – irgendwo zwischen Elend, Sorge und dem großen Glück

P.S.: Der Deutsche Oldtimer-Index (DOX) steht übrigens aktuell bei 2.985 Punkten. Aber das wisst ihr ja jetzt schon. Wichtiger ist: Die Strecke von Elend nach Sorge hat 17 Kurven. Jede einzelne davon macht glücklich. Und DAS kann kein Index der Welt messen.

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