50 Jahre Opel Manta B: Der Rochen, der fliegen wollte
Er war Ampelschreck und Kultikone, Rallyesieger und Witzfigur: Der Opel Manta B feiert 2025 seinen 50. Geburtstag. Eine Zeitreise zu einem Auto, das deutsche Kulturgeschichte schrieb.
„Opel fahr’n is wie wennze‘ fliechst“ – dieser Aufkleber prangte auf tausenden Heckscheiben und brachte das Lebensgefühl einer ganzen Generation auf den Punkt. Der Opel Manta B war mehr als ein Auto. Er war Statement, Statussymbol und Leinwandheld zugleich.
Als Opel VW das Fürchten lehrte
Herbst 1975: Während Udo Jürgens mit „Griechischer Wein“ die Charts erobert und der „Weiße Hai“ die Kinobesucher schockt, rollt in Rüsselsheim eine automobile Erfolgsgeschichte an. Der Manta B tritt die Nachfolge seines erst fünf Jahre alten Vorgängers an – und wird zum Verkaufsschlager.

Die Zahlen sprechen für sich: 1978 war jeder fünfte in Deutschland verkaufte Neuwagen ein Opel. Volkswagen musste sich mächtig strecken, um die Marke mit dem Blitz auf Abstand zu halten. Der moderne VW Scirocco? Konnte dem technisch konservativeren Manta nie das Wasser reichen.
Über 557.000 Exemplare liefen bis 1988 vom Band – mehr als beim Vorgänger und das in einer beachtlichen Produktionszeit von 14 Jahren. Länger als jedes andere Opel-Modell. Der Manta überlebte sogar seinen Kölner Erzrivalen Ford Capri und fünf Generationen des Toyota Celica.

(Foto: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger)
Vom braven Familienauto zum Rallyemonster
Designer George Gallion hatte sich beim Meeresforscher Jacques Cousteau inspirieren lassen. Dessen Aufnahmen von Mantas im Roten Meer gaben dem Coupé nicht nur seinen Namen, sondern auch die charakteristische, dynamische Silhouette. Der stilisierte Stachelrochen zierte zunächst die Flanken des Wagens.
Technisch teilte sich der Manta die Bodengruppe mit dem braven Ascona – der Limousine für die Familie. Doch was die Ingenieure daraus machten, war beeindruckend: 14 verschiedene Vierzylinder-Motorisierungen zwischen 1,2 und 2,4 Litern, von bescheidenen 55 PS bis zu kraftvollen 144 PS. Das Grundmodell kostete kaum mehr als 11.500 D-Mark – ein sportliches Coupé für jedermann.
Der Höhepunkt: der Manta 400 von 1981. Mit seinem 2,4-Liter-16-Ventiler, dem markanten Heckspoiler und den breiten Kotflügeln zeigte er selbst Porsche 944 und Mercedes SL im Ampelduell seine „dicken Backen“. Nur 400 Exemplare wurden gebaut – für die Homologation in der Gruppe 4. Heute ist ein gut erhaltener Manta 400 nicht unter 89.000 Euro zu haben.

Auch auf der Rennstrecke brillierte die Baureihe: Walter Röhrl holte 1982 mit dem Ascona den Rallye-WM-Titel und deklassierte dabei den hochmodernen Audi quattro. Der Manta 400 gewann 1984 bei der berüchtigten Paris-Dakar in der Klasse der Hecktriebler. Und beim 24-Stunden-Klassiker auf der Nordschleife zog ein Renn-Manta von 1981 bis in die 2020er Jahre seine Kreise – ein rollender Beweis für „Opel, der Zuverlässige“.

„Boah ey!“ – Wie der Manta zum Kulturgut wurde
Dann geschah etwas Einzigartiges: Der Manta schrieb Kulturgeschichte. Als die zweite Generation längst die Gebrauchtwagenhöfe füllte, wurde das Coupé zum Kultobjekt. Fuchsschwanz an der Antenne, Breitreifen, Cowboystiefel und Vokuhila-Frisur – der Manta-Fahrer wurde zur Ikone.
Eine beispiellose Witzwelle rollte durch Deutschland. Die „Mantaplatte“ (Currywurst mit Pommes) und die „Mantalette“ (Cowboystiefel) wurden zu stehenden Begriffen. Plötzlich beschäftigten sich Volkskundler mit dem Phänomen. Die Filmindustrie schlug zu: „Manta, Manta“ mit Til Schweiger und Tina Ruland begeisterte 1991 ein Millionenpublikum. TV-Wiederholungen erreichten Rekordwerte von 11,5 Millionen Zuschauern. 2023 kam sogar „Manta, Manta – Zwoter Teil“ ins Kino.

Das Bemerkenswerte: Die Manta-Fans nahmen den Spott mit Humor. Viele zeigten Selbstironie, wie der Aufkleber „Opel fahr’n is wie wennze‘ fliechst“ bewies – eine Anspielung auf den legendären Slogan „Nur Fliegen ist schöner“ des Opel GT.
Das Erbe lebt weiter
Der Manta war nie perfekt. Das beliebte Vinyldach war oft undicht, Feuchtigkeit setzte sich fest, Rost fraß sich durch. Die Zahl der erhaltenen Exemplare schrumpft: 2015 waren noch 3.749 zugelassen, zehn Jahre zuvor waren es fast doppelt so viele gewesen.
Doch das Erbe lebt: Der markante „Vizor“ an der Front, der schon den Manta unverwechselbar machte, prägt heute das Gesicht moderner Opel-Modelle wie dem Mokka B. Die Fans warten auf einen vollelektrischen Manta als Crossover-Coupé – die Antwort auf den neuen Ford Capri.

Bis dahin bleibt der Manta B, was er immer war: ein Auto, das mehr bedeutet als die Summe seiner Teile. Ein Stück deutscher Automobilgeschichte, das zwischen Kult und Spott erfolgreich auf dem schmalen Grat balancierte. Und das Gefühl vermittelte, als würde man fliegen.
Boah ey!
