Sky-Chefkoch Sascha empfiehlt die 1990er – mit Social Media an Brot & Butter

Ich habe Sascha Kosciankowsky von Sky Automobile in seinem Betrieb besucht und interviewt. Vor dem Hintergrund des sich wandelnden Oldtimer- und Youngtimer-Marktes war ich auf die Einsichten und Einschätzungen eines Händler-Profis mit über 24 Jahren Erfahrung gespannt.

Ihr findet Sascha und seine Fahrzeugangebote regelmäßig, um nicht zu sagen täglich, auf Facebook, Instagram und TikTok. Einfach mal nach Sky Automobile suchen. Oder schaut euch mal auf www.sky-automobile.de um.

Dieses Gespräch bildet den Auftakt zu einer losen Reihe von Interviews mit interessanten Menschen, die etwas zu sagen haben, aus der Welt der Old- und Youngtimer hier auf Fahr-dich-glücklich.de

Seit wann handelst du mit Oldtimern, Youngtimern und Exoten?

Sascha: Angefangen habe ich tatsächlich im Jahr 2002. Dabei habe ich mich relativ früh schon spezialisiert auf alles, was nicht gewöhnlich ist. Und das Profi-Dasein, das kommt mit der Zeit. Die Erfahrung macht einen glaube ich zum Profi.

Ich habe dich ja so ein bisschen aus der Distanz beobachtet. Wolltest du eigentlich schon immer der etwas andere Autohändler werden?

Sascha: Also ich glaube, ich bin ohnehin nicht gewöhnlich, so von meinem Charakter. Und ich glaube, dann passt das mit meinem Konzept schon ganz gut. Ob ich schon immer anders sein wollte, was Autos anbelangt, darüber muss ich mal eben nachdenken. (Grübel)

Rallye-Ikonen wie der Subaru Impreza STI standen bei Sky-Automobile schon früh im Fokus.

Ich wollte schon immer andere Autos anbieten. Dass ich selber anders sein wollte, nein das nicht, aber ich wollte immer andere Autos anbieten. Ich bin vom Charakter her halt vielleicht nicht so 0815 und dem ist das geschuldet, dass ich dann vielleicht anders rüberkomme. Und das ist absolut in Ordnung. Aber andere Autos ist natürlich ein weites Feld.

Welche Phasen hast du dabei erlebt? Hast du dich auch mal auf das ein oder andere spezialisiert?

Sascha: Ja, das war und ist tatsächlich so. Man verändert sein Fahrzeugangebot, man passt sich ein Stück weit dem Markt an. Die eigenen Interessen verändern sich ja auch. Und so spezialisiert man sich auf verschiedene Bereiche, was sich dann aber auch im Laufe der Jahre einfach ein Stück weit ändert.

Unter anderem waren es Subarus. Die Rallye-Ikonen Subaru Impreza STI, Mitsubishi Lancer Evolution oder Nissan Skyline haben wir eine Zeit lang gemacht. Aber diese Zeit liegt schon lange, sehr lange zurück. Ja, dann kamen die amerikanischen Ford Mustangs. Wir konzentrierten uns lange stark auf die Mustangs der 1960er Jahre. Aber die Märkte verändern sich. Wir haben bei Sky die Expertise für diese Autos und bieten diese weiterhin an. Aber heute legen wir nicht mehr unseren Fokus darauf. Unser Team ist sehr, sehr tief im Thema Mustang drin und wissen worauf wir zu achten haben. Da hat der Kunde bei uns etwas davon und deshalb machen wir das auch gerne.

Leichenwagen gehen auch im Winter, speziell, wenn sie aus Göteborg kommen. (Foto: Sky Automobile)

Aktuell kümmern wir uns gerne um Leichenwagen. Hier machen wir sehr viel, weil es dafür eine Fangemeinde gibt. Heiß begehrt sind die Bestatter mit einem V8 unter der Haube. Aber mein Herz schlägt tatsächlich für Fahrzeuge der 90er Jahre und ich bin froh, dass wir bei Sky jetzt viel in diesem Segment machen. Und dies nicht erst seit gestern. Und ich hoffe inständig, dass wir das auch noch lange weitermachen können. Das Team von Sky ist wirklich nah an diesem Thema, weil es die Zeit und die Fahrzeuge sind, die mir am meisten Spaß bereiten.

Du hast eine saubere, aber durchaus überschaubare Webseite. Auf den Social Media Kanälen sieht das ganz anders aus. Kannst du uns bisschen über die Hintergründe verraten?

Sascha: Ja es gibt Autohändler, die kaufen Autos an, und parken diese ein bis zwei Jahre, ehe sie verkauft werden. Bei uns geht es einfach rasend schnell. Ein Fahrzeug kommt, ein Auto geht auch schnell wieder, weil einfach der Zustand besonders ist. Und, ganz wichtig, weil einfach auch der Preis sehr, sehr attraktiv ist.

Also: Wir setzen auf den schnellen Durchlauf. Dadurch wächst die Fangemeinde und durch die wachsende Fangemeinde haben wir einen hohen Durchlauf. Da kommt die klassische Internetseite gar nicht hinterher. Dem ist das geschuldet.

Du hast mir verraten, Autos werden nicht mehr auf den großen Online-Plattformen verkauft, sondern über Social Media. Wie kommst du darauf?

Sascha: Ich kann nur für mich sprechen. Jeder Händler hat sein eigenes Rezept. Manch einer verkauft sehr gerne über mobile.de. Das ist auch das, was wir immer gemacht haben. Und ich für meinen Teil merkte einfach, dass wir auch hier anders sein möchten. Und ich habe die Möglichkeit oder das Glück, ja ich muss tatsächlich sagen das Glück, dass das, was wir machen, gut von den Menschen angenommen wird. Das Glück, dass die Menschen das, was wir präsentieren, sich gerne anschauen. Damit drehen wir den Spieß um. Wir präsentieren unsere Fahrzeuge wirklich, wir bieten die Autos an und warten nicht darauf, dass jemand nach dem Fahrzeug sucht. Das ist, glaube ich, das, was uns von anderen unterscheidet.

Um ein Beispiel zu nennen. Bei Sky Automobile ist es nicht so wie in einem normalen Restaurant. Wir nehmen Platz, gucken uns die Speisekarte an und entscheiden uns für ein Gericht. So ist es auf den großen Online-Plattformen, die natürlich eine riesige Speisekarte bieten. Bei uns kommt quasi der Koch und sagt: „Guck mal, was ich hier Leckeres für dich habe. Etwas ganz, ganz Besonderes!“ Und das ist halt Social Media.

Aber Vorsicht Leute. Du musst auch etwas Leckeres und etwas ganz, ganz, ganz Besonderes haben! Ansonsten funktioniert das nicht. Und genau das mache ich mit meinem Team bei Sky Automobile. Und ja, es wird anscheinend angenommen. Ja, du hast ein ständig wachsendes Publikum in den unterschiedlichen Social Media Kanälen. Und zum dritten Mal ja, du verkaufst auch sehr viel an deine Follower.

Kannst uns ein paar Zahlen nennen. Konkret: Wieviele Leute folgen dir und deinem Team und deinen besonderen Angeboten, die du fast täglich frisch zubereitest?

Sascha: Ich kann natürlich nur über den Stand der Dinge jetzt sprechen. Es wächst, Gott sei Dank, weiter. Momentan freuen wir uns bei Facebook über 29.500 Follower. Also, wir haben die 30.000 in Sichtweite.

Die monatliche Reichweite unserer Beiträge geht immer ein wenig rauf und runter. Das schwankt immer so ein um die 5 Millionen Zugriffe. Das heißt ca. 5 Millionen Mal werden die Beiträge in einen Zeitraum von vier Wochen aufgerufen. Und da sind wir wieder bei unserem Koch, der dem Gast eine gute Ware zum richtig guten Preis und eine außergewöhnliche Ware in guter Qualität zum guten Preis präsentiert. Mit dem entsprechenden Publikum und der Vielzahl an Followern kann dieses Konzept funktionieren.

Das bringt mich zur nächsten Frage. Bist du nun eher ein „Influencer“, der auch Exoten verkauft, oder ein Exot, der auch noch „Influencer“ ist?

Sascha: Also ich war, ich bin und ich werde immer ich selbst bleiben – ein Autoverkäufer. Weil ich einfach Spaß daran habe und sehe mich nicht als Influencer. Ich weiß, dass meine Follower mich vielleicht so sehen, aber ich sehe mich nicht so.

Du hast mir einmal gesagt, du magst keine Messen. Warum warst du trotzdem im vergangenen Dezember auf der Motor Show in Essen?

Sascha: Es gibt tatsächlich Händlerkollegen, die lieben Messen und stellen dort gerne aus. Bei uns ist es so, dass wir unsere Fahrzeuge für das Messegeschäft zu schnell verkaufen. Das ist Punkt 1. Das heißt ich kann den Messeauftritt gar nicht planen. Welche Autos stelle ich auf der Messe aus und dann kommt auch noch der Zeitaufwand dazu, den ich für eine Messe investiere.

Diese Zeit kann ich anderweitig besser und effektiver investieren zum Beispiel auf Social Media. Dort zeige ich besondere Fahrzeuge und verkaufe dort auch tatsächlich. Auf den Messen habe ich die Erfahrung gesammelt, dass die Leute viel gucken und ich oft höre, dass die Autos wundervoll sind, wunderschön sind und das sich der Messebesucher auf jeden Fall nach der Messe meldet, um zu kaufen. Aber leider folgen den Worten dann selten Taten und so ist es auf den Messen.

Bei der Fangemeinde auf Facebook ist das tatsächlich anders. Da ist es nicht selten, dass ein Follower auch wirklich schnell kauft. Und von daher sage ich, Messen sind interessant zum Gucken. Aber ich zweifele, ob eine Messebeteiligung selbst bei einem Fahrzeugverkauf wirklich profitabel ist.

Das Original Manta Manta-Filmauto von und mit Sascha in seinem Showroom in Eschweiler. (Foto: Sky Automobile)

Betrachtet man eine Messe als Kommunikationsplattform, um mit der Zielgruppe direkt und real in Kontakt zu kommen, sieht die Sache ganz anders aus. Und genau deshalb war ich zuletzt in Essen auf dem Motor Show. Und das aber tatsächlich nicht, um dort irgendwie ein Fahrzeug an dem Mann zu bringen und zu verkaufen, sondern ‚nur‘ um ein Fahrzeug auszustellen. Wir haben das Originalfahrzeug aus dem Kinofilm „Manta Manta“ und ich finde, wenn du dieses Fahrzeug besitzt, darfst du es nicht verstecken und dich nur selbst daran erfreuen. Ich möchte das Fahrzeug einfach dem Publikum zeigen, weil es ein Stück Kulturgut ist und da sehe ich mich in der Pflicht. Ich habe in Essen den direkten Kontakt zu unseren Followern gesucht und die Aktion ist super angenommen worden. Viele Follower kamen vorbei, wollten einen Plausch halten, wollten Fotos mit dem Manta und mir aufnehmen und haben sich einfach gefreut. Das bereitet mir großen Spaß, dass ich einfach den direkten Kontakt habe. Online ist eine Sache, aber die Menschen, die mein Team und mich gut finden, persönlich kennenzulernen ist etwas ganz anderes. Das bereitet mir ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz viel Freude!

Kommen wir noch mal zum Koch zurück. Du hast ja ein super Angebot. Tolle Autos im klassisch exzellenten Sky-Zustand mit geringer Laufleistung und davon nicht nur einen, sondern wie es früher bei Rudi Carell hieß: Am laufenden Band. Wie kommst du immer wieder an solche Fahrzeuge?

Sascha: Ja wie komme ich an die Fahrzeuge? Ich mache das ja schon ein paar Tage. Und ich glaube jetzt sind es 24 Jahre und wenn man sich in diesem Business vernünftig verhält, dann baut man über die Zeit ein gutes und belastbares Netzwerk auf. Und über dieses Netzwerk werden mir natürlich mittlerweile sehr, sehr viele Angebote gemacht. Denn die Anbieter wissen, wenn sie einen Klassiker mit niedriger Laufleistung haben, ja wem bieten sie dieses Fahrzeug wohl an?

Natürlich mir, weil ich so etwas suche, weil ich sehr, sehr fair dafür bezahle. Viele Kollegen, wissen das gar nicht zu schätzen, die wissen gar nicht, was es ist, und ja die kaufen solche Fahrzeuge erst gar nicht an oder wenn, dann zu einem Spottpreis. Der aber einfach weder zum Fahrzeug passt noch seinem Zustand gerecht wird. Ich bin da halt anders, ich sehe das Potenzial, das in dem Auto schmummert.

Ich finde es auch schön, solche Autos einfach an Liebhaber weiter zu reichen und bezahle konsequenterweise dann auch extrem fair. Und was geschieht auch zunehmend? Follower kaufen nicht nur bei mir, sondern bieten mir tatsächlich auch gute Fahrzeuge an. Warum? Das hat folgenden Hintergrund, dass die Follower einfach erleben, wie wir ticken.

1993er „Baby-Benz“ im Traumzustand – nur 27.483 km gelaufen. (Foto: Sky Automobile)

Wie gehen wir mit den Fahrzeugen um, die alle aus Liebhaberhand kommen und sich in einem sehr, sehr guten Zustand befinden? Ein Beispiel: vor kurzem hat sich ein fürsorgliches Familienmitglied bei uns gemeldet. Da ist von der Lebensgefährtin der Opa verstorben. Opa ist zuletzt nur noch mit dem Fahrzeug aus der Garage auf die Einfahrt gefahren und wieder zurück, weil Opa einfach nicht mehr fahren konnte. Dann ist er verstorben und es hat noch ein knappes Jahr gedauert, bis sich die Familie von dem Auto getrennt hat. Die Familie hat uns kontaktiert, weil sie einfach wusste, das Auto erfährt bei uns die gleiche Fürsorge wie bei Opa, frische Inspektion, wird fachgerecht aufgearbeitet und dann in Liebhaberhand weitergereicht. Ich glaube, wenn so ein Auto ein Stück weit Familienmitglied ist, dann freut man sich, dass das Auto wertgeschätzt wird, so wie wir es halt annehmen. Für die Anbieter ist es extrem wichtig, dass das Fahrzeug in gute Hände kommt. Wir werden in diesen Fällen sehr, sehr viel angesprochen.

Noch ein schönes Beispiel. Wir kauften vor einiger Zeit ein Fahrzeug an, das stand über 20 Jahre in der Garage. Der Vater war verstorben und die Tochter konnte sich nicht von dem Fahrzeug trennen und hat das Auto mehr als 20 Jahre in der Garage stehen lassen, hat über 20 Jahre Garagenmiete bezahlt. Dann meinte der Neffe, guck dir mal Sky-Automobile an, die kümmern sich um solche Autos. Da die Tochter überzeugt war, dass der Wagen bei uns in guten Händen ist, durften wir das Fahrzeug übernehmen. Das ist, glaube ich, ein ganz gutes Beispiel dafür, dass so ein Auto dann nicht irgendwie an jemanden verkauft wird, sondern eben halt an uns und das, ganz ehrlich, hat mich extremst berührt.

Zum Schluss der Blick in die berühmte Glaskugel Wie schätzt du die Entwicklung des Marktes, auf dem du dich bewegst in den nächsten fünf Jahren ein?

Sascha: Wie schätze ich den Markt ein? Verändert sich er sich, oder bleibt er eher konstant? Wohin verändert es sich? Ich glaube der Markt verändert sich auf jeden Fall in Richtung Fahrzeuge der 90er Jahre und frühe 2000er Jahre. Das sind eben nicht mehr die alten Käfer gefragt, oder die alten Cadillacs und Ponton Mercedes oder dergleichen.

Auch Stern TV schätzt Saschas Expertise. (Foto: Sky Automobile)

Die Zielgruppe wird eine andere sein, die Generation der jetzt 40- bis 50-Jährigen. Die haben einfach Erinnerungen an Fahrzeuge wie ein Golf 1, 2, 3. Bei einem Golf 3 sind wir schon tief in den 90ern drin. Wenn man so einen Golf 3 in dem schönen Zustand hat, dann sind diese Fahrzeuge jetzt schon gefragt und ich bin mir sicher, dass es in fünf Jahren noch ganz anders aussehen wird.  Es werden dann wirklich sehr gute Preise eben für solche Fahrzeuge gezahlt, an die man halt Erinnerung hat. Ich denke, es ist so: Wenn man sich einen Mustang aus den 1960er kauft, erwirbt man ein sehr schönes Auto. Kauft man sich ein Fahrzeug aus den 90ern, holt man sich eine Erinnerung zurück, eben dieses Lebensgefühl, was man damals hatte.

Das ist der Unterschied und ich glaube, das wollen viele. Mich eingeschlossen. Ich bin sicher, da wird die Reise hingehen, dass diese Fahrzeuge noch gefragter und gesuchter sein werden. Und schauen wir auf die Preise dieser Autos in fünf Jahren, werden sich viele verwundert die Augen reiben. Hier wird ess, fragst du mich, nur eine Richtung geben: nach oben.

Wer noch mehr von und über Sascha und Sky Automobile erfahren möchte, dem kann ich nur den Postcast „Olli trifft Sascha“ aus den Lach- und Sackgeschichten empfehlen. https://open.spotify.com/episode/1Dl7CrkaN8335ZMxvk3K6S

Besten Dank Sascha für das gute Gespräch. Ich werde jetzt auf jeden Fall mein Peugeot 406 Coupè von 1998 in Ehren behalten.

Mein 1998er Peugeot 406 Coupé in der Nähe von Tarvisio im Friaul.

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