Barbara fragt: Wie krieg ich meinen MG F nach dem Winterschlaf wieder flott?
Ein Freitagabend, Ende Februar. Mein Handy vibriert. Eine WhatsApp von Barbara.
Angehängt: ein Foto. Der MG F in der Garage, noch unter seiner grünen Winterdecke, wie ein schlafender Hund auf seinem Lieblingsplatz. Dazu nur drei Wörter:
„Er schläft noch.“ Ich tippe zurück: „Nicht mehr lange.“
Barbara Zimmermann ist Kamerafrau, Büroleiterin und das ruhige Zentrum hinter Christian Spanik und seinen Netproducern – dem Mann, den eine ganze Generation als das Gesicht von Computersendungen im Fernsehen und Internet kennt. Beide leben irgendwo schön zwischen Freilassing (Schnitzer BMW) und Mattighofen (KTM), beide besitzen seit Jahren einen MG F in stilsicherem schwarz, und beide lieben nichts mehr, als mit offenem Verdeck durch das Salzburger Land zu fahren.
Was Barbara jetzt gerade lernt: dass ihr kleiner Brite vor der ersten Frühjahrsfahrt ein bisschen Aufmerksamkeit braucht. Nicht viel. Aber die Richtige. Wie viel – das haben wir an einem Sonntagvormittag bei einem Kaffee besprochen. Und weil Barbara als Journalistin weiß, wie man die richtigen Fragen stellt, wurde daraus mehr als ein Gespräch. Es wurde der Beginn unserer neuen Fahr-dich-glücklich-Rubrik „Barbara fragt“.

Barbara: Udo, ich schaue seit Tagen aus dem Fenster und überlege, wann der richtige Moment ist, ihn rauszuholen. Gibt es da eine Regel?
Udo: Eine Faustregel, ja: Wenn der Wetterdienst dauerhaft über fünf Grad meldet und die Straßen nachweislich salzfrei sind. Salz ist für deinen MG wie Zucker für die Zähne – es schadet still und leise, lange bevor man es sieht. Bei euch im Alpenvorland würde ich auf Mitte März tippen. Aber ehrlich gesagt zählt auch das Bauchgefühl. Wenn der erste echte Frühlingstag kommt – der, an dem man morgens das Fenster aufmacht und denkt: heute – dann ist es meistens auch für den Wagen okay.
Barbara: Das klingt gut. (lacht) Ich warte auf genau diesen Moment. Und dann? Decke runter, einsteigen, fahren?
Udo: Bitte nicht. Stell dir vor, du wachst nach vier Monaten Winterschlaf auf und rennst sofort einen Halbmarathon. Das ist Gift für den alten Wagen.
Barbara: Verstanden. Also – wo schau ich zuerst hin?
Udo: Prüfe zuerst die Flüssigkeiten. Fang mit dem Motoröl an: Peilstab raus, sauber abwischen, wieder rein, wieder raus. Der Stand sollte zwischen Min und Max liegen. Wenn das Öl schwarz ist wie frisch gebrühter Espresso, kommt frisches rein. Die Zusatzstoffe setzen sich über den Winter ab und werden träge – der Motor verdient einen frischen Start in die Saison.
Barbara: Ich glaube, das kriege ich hin. Was noch?
Udo: Bremsflüssigkeit. Die ist wie ein guter Wein – nur leider wird sie mit der Zeit schlechter statt besser. Alle zwei Jahre wechseln. Sonst wirst du bei der nächsten Bergabfahrt unfreiwillig zur Testpilotin. Kühlwasser checken, und wenn dein MG Servolenkung hat, auch die Hydraulikflüssigkeit kurz anschauen.
Barbara: Der hat eine elektrisch unterstütze Servolenkung. Ich weiß das, weil das Einparken und Rangieren mit dem kleinen Engländer ein Kinderspiel ist.
Udo: (lacht) Die Briten hatten offenbar nicht nur bei Rolls Royce, Daimler und Bentley einen nachhaltigen Hang zu Luxus. Aber im Ernst – mit Servounterstützung verlieren auch Serpentinen ihren Oberarmschrecken. Das ist eigentlich eine gute Schule, auch wenn die Gusseisernen das sicherlich komplett anders sehen.

Barbara: Ich habe mal gehört, der MG F hat so eine besondere Federung. Die macht mir ehrlich gesagt ein bisschen Respekt.
Udo: Die Hydragas-Federung. Ja, die ist das, was den MG zu einem komfortablen Roadster macht – aber mit der Zeit geht Stickstoff flöten und die Fuhre wird härter. Das MG-System verbindet auf der Fahrer- und auf der Beifahrerseite unabhängig voneinander hydraulisch die Vorder- und Hinterachse, um das unangenehme Nickverhalten kleiner Autos zu verringern. Aber sie braucht hin und wieder Zuwendung. Wenn dein Auto nach dem Winter tiefer steht als sonst, oder auf einer Seite hängt – ab zum Spezialisten. Davon gibt es aber leider nicht mehr viele. Schau mal auf der Webseite des MG Car Club Deutschland nach. Die haben eine Liste mit fachkundigen Werkstätten für den MG F nicht nur in Deutschland. https://MGFcar.de
Barbara: Das ist beruhigend zu wissen. Was kann ich denn selbst machen, ohne dass ich etwas kaputt mache?
Udo: Mehr als du denkst! Reifendruck ist ein guter Anfang. Schau auch auf das Alter der Reifen – die vierstellige Zahl auf der Seitenwand verrät alles: erst zwei Ziffern für die Woche, dann zwei für das Jahr. 0318 bedeutet: dritte Woche 2018.
Barbara: (Pause, tippt auf ihr Handy) Ich schaue gerade nach. Da steht 32/21, also 32. Woche 2021. Und das Profil ist mehr als gut. Ist doch okay, oder?

Udo: (lacht) Gute Frage. Aber ich kann dich beruhigen – du kannst mit den Reifen noch zwei Jahre fahren. Danach rate ich dir, die Pneus zu wechseln, auch wenn das Profil noch gut sein sollte. Keine Sorge, neue Reifen für den MG kosten nicht die Welt. Und es lohnt sich: Nach sieben Jahren wird Gummi hart wie altes Brot, egal wie gut er noch aussieht. Auf nasser Fahrbahn merkst du das spätestens in der ersten Kurve.
Barbara: Okay, Reifen auf die Liste für den Winter 2027/28. Was ist mit der Batterie?
Udo: Wenn ihr sie über Winter an ein Erhaltungsladegerät gehängt habt, ist sie wahrscheinlich fit. Wenn nicht – testen lassen. Viele Werkstätten machen das kostenlos. Und schau dabei gleich nach den Kabeln. Mäuse finden Kabelisolierung nämlich manchmal zum Anbeißen – im wortwörtlichsten Sinne.
Barbara: Das ist jetzt kein Witz?
Udo: Leider nein. Ich kenne einen Kollegen, der seinen W123 aus der Garage geholt hat, Schlüssel rein – nichts. Ein sehr gut genährtes Nagetier hatte sich über den Kabelbaum hergemacht. Seitdem stellt er eine Falle auf. Nur zur Sicherheit.
Barbara: (schüttelt den Kopf, lacht) Das werde ich Christian erzählen. Der mag solche Geschichten.



Barbara: Und dann? Irgendwann will ich aber auch mal losfahren.
Udo: Genau. Aber nicht gleich auf die Autobahn – erst eine ruhige Probefahrt. Landstraßen, kein Tempo, Fenster auf. Horch rein, wie er sich anfühlt. Die Bremsen können nach dem Winter leicht angerostet sein, das klingt beim ersten Antippen ein bisschen kratzig. Das gibt sich. Aber dein Hirn muss sich auch kurz neu kalibrieren.
Barbara: Was meinst du damit?
Udo: Nach vier Monaten Alltagsauto vergisst man, wie ein Klassiker reagiert. Der MG bremst nicht wie ein modernes Auto – er braucht mehr Weg. Die Lenkung ist direkter, das Fahrwerk weicher. Das ist nicht schlechter, das ist einfach anders. Und es ist das, was ihn so besonders macht. Ihr werdet euch nach den ersten Kilometern wieder aneinander erinnern. Das klingt romantisch – aber es stimmt wirklich so.
Barbara: (leise) Danke, das ist alles beruhigend. Gleich nutze ich das schöne Wetter, dreh den Zündschlüssel und dreh die erste Proberunde.
Barbaras Erkenntnis:
„Ich dachte, Frühjahrsvorbereitung heißt: Decke runter und fahren. Es heißt eigentlich: einmal kurz innehalten, hinschauen, zuhören. Und dann fahren. Mit ein bisschen mehr Wissen – und genauso viel Vorfreude wie vorher.“

🔧 Praktischer Tipp vor der ersten Ausfahrt:
Schau auf den nächsten HU-Termin. Auch TÜV-Prüfer lieben alte Autos – aber pünktliche Halter lieben sie noch mehr. Und warte wirklich, bis die Straßen salzfrei sind. Der Rest ergibt sich.

Das war die erste Folge von „Barbara fragt“ – der neuen Rubrik auf Fahr-Dich-Glücklich powered by Udo , in der eine kluge Frau die Fragen stellt, die wir uns alle manchmal nicht trauen.
Habt ihr auch Fragen rund um euren Klassiker? Schreibt sie in die Kommentare – Barbara fragt für euch weiter.
